Tatort Kritik

Ein Tatort zum Schmunzeln

Ihr zweiter Fall führt die Dresdner Ermittlerinnen Sieland und Gorniak ins Obdachlosen-Milieu. Ein liebevoll-bissiger Tatort.

Die ehemals Obdachlosen Platte (David Bredin), Eumel (Alexander Hörbe), Hansi (Arved Birnbaum)sind im Streit mit den Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewsk)

Die ehemals Obdachlosen Platte (David Bredin), Eumel (Alexander Hörbe), Hansi (Arved Birnbaum)sind im Streit mit den Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewsk)

Foto: MDR/Gordon Mühle

Die Ausbreitung des Humors im „Tatort“ ist eine relativ neue Erscheinung. Jahrelang haben die Münsteraner Ermittler Boerne und Thiel allein vor sich hingejuxt – und erst in jüngster Zeit ist mit Lessing und Dorn aus Weimar ein Duo hinzugekommen, das es mit ihrem Blödel-Quotienten aufnehmen kann. Nun wird man wohl auch das Team aus Dresden in die Gruppe aufnehmen müssen.

Denn das zeigen Oberkommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels) und ihre Kollegin Karin Gorniak (Karin Han­czewski) im Zusammenspiel mit ihrem schmierigen Vorgesetzten Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) sehr deutlich: lustig, das geht auch sehr gut an der Elbe.

Drehbuch-Koautor Ralf Husmann, einst Autor für Harald Schmidt und für die Erfolgsserie „Stromberg“ verantwortlich, vermeidet es jedoch, sein Personal ganz dem Klamauk preiszugeben. Er setzt auf Situationskomik. Dass der Chef namens Schnabel einen Kaffee­becher mit der Aufschrift „Schnabel­tasse“ besitzt, veranlasst Sieland und Gorniak zu giftigen Bemerkungen.

In der nächsten Einstellung macht eine Kollegin dem Chef ein Kompliment für diesen „lustigen“ Einfall – aber was sich dabei in den Gesichtern ihrer Kolleginnen abspielt, ist viel lustiger.

Von trostlosem Privatleben und Schnabeltassen

Die Kollegin heißt Wiebke Lohkamp (Jule Böwe), arbeitet eigentlich beim Betrugsdezernat und geht den beiden Ermittlerinnen schnell erheblich auf die Nerven – nicht nur, weil sie sich dauernd in den Fall einmischt, sondern vor allem, weil sie auch noch mit Schnabel anbandelt, obwohl beide verheiratet sind. In ihrem eigenen Privatleben geht es indessen etwas trostloser zu: Höfels hat einen langweiligen Freund daheim, dem nur noch Anklagen und Beschwerden aus dem Mund kommen.

Und Gorniak muss sich als alleinerziehende Mutter mit den Eskapaden ihres Sohnes herumschlagen, der beim Kuchen­backen die Wand mit Schokolade dekoriert und anschließend, um es wieder gutzumachen, einen Eimer Farbe im Baumarkt klaut und dabei erwischt wird.

Und dann gibt es ja noch den Fall. Der Sozialunternehmer Hans-Martin Taubert fällt in der Nacht von einer Brücke – und drei Obdachlose behaupten, gesehen zu haben, dass er heruntergestoßen wurde. Sie wirken allerdings im Moment ihrer Aussage nicht gerade nüchtern. Ist ihnen zu trauen? Und wenn sie die Wahrheit sagen: Wer könnte dann der Täter gewesen sein? Der Bruder des Opfers vielleicht, der sich bei diesem stark verschuldet hatte und auch nicht so recht mit der Wahrheit herausrücken will? Oder der ominöse Dresdner „Wohltäter“, der in Taubert womöglich einen missliebigen Konkurrenten sah?

Das ist konzeptionell nach altbewährten Mustern gestrickt – aber hier führt es nicht zur Langeweile, weil die Chemie der Akteure stimmt und immer wieder interessante Reaktionen liefert. Etwa als Sieland drei Obdachlose mit in ihre Wohnung bringt und ihrem entgeisterten Freund zeigt, wie man wirklich einen netten Abend verbringt. Von solchen liebevoll-bissigen Szenen hält dieser „Tatort“ eine Menge bereit.

„Tatort: König der Gosse“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr