Kultur

Kammermusik mit überraschenden Wendungen

Berliner Musiker erinnern an den Komponisten Busoni

Als Ergänzung zur Ausstellung „Busoni. Freiheit für die Tonkunst!“ am Kultur­forum veranstaltet das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ein Kammerkonzert. Selten zu hören sind die Werke des 1924 in Berlin gestorbenen Ferruccio Busoni, welcher zu seinen Lebzeiten vor allem als Pianist bekannt war. Sein ­„Berceuse élégiaque“ umrahmt das Programm im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumenten-Museums in einer Bear- beitung des Schönberg-Schülers Erwin Stein. Die düsteren, aber auch beruhigenden Texturen orches­tralen Wiegenlieds, das Busoni seiner verstorbenen Mutter gewidmet hatte, werden hier gestrafft. Faszinierend ist vor allem der Einsatz des Harmoniums (Wolfgang Kühnl), welches geheimnisvolle Farben hervorbringt. Als das Werk zum zweiten Mal am Ende des Abends erklingt, wird deutlich, wie nahtlos die Emotionen Busonis die Form bestimmen – ohne ins Sentimentale zu verfallen.

Auch in früheren Werken entpuppt sich der Komponist als Meister des ausgewogenen Ausdrucks. Der fugenartige erste Satz des Streichquartetts Nr. 2 wird durch die wache Kommunikation des aus DSO-Spielern besetzten Adamello Quartetts zum lebendigen Dialog. Auch wenn das Werk in seiner klassischen Struktur konventionell wirken mag, beweisen das rhythmisch packende Hauptthema des dritten Satzes oder die Barocksuite-artige Solopassage des Cellos (Adele Bitter) im vierten Satz Busonis innovativen Umgang mit rein tonalem Material. Auch in „Kultaselle“, den Variationen über ein finnisches Volkslied für Violoncello und Klavier, scheint der Komponist über endlose melodische und rhythmische Einfälle zu verfügen. Die werden mit Cello wie Klavier (Holger Groschopp) virtuos umgesetzt.

Das Sonatina seconda für Klavier Solo beweist Busonis Experimentierlust mit der Atonalität während des Ersten Weltkriegs, bleibt aber überwiegend impressionistisch. Mit sanftem Spielgefühl meistert Groschopp die zum Teil über­lagerten Texturen. Dass der Pianist in einer anspruchsvollen Solo-Passage in Busonis einzigem Klaviertrio, einem Andante mit Variationen und Scherzo, etwas müde erscheint, spielt keine Rolle – das Ensemble um Geiger Clemens Linder ist rundum stimmig.

Busonis Elegie für Klarinette und Klavier, die 1920/21 bei seiner Rückkehr aus dem schweizerischen Exil nach Berlin entstand, erliegt einer fast mozartschen Verspieltheit. Aber das Stück wird durch unerwartete harmonische Wendungen und eine Art unendlichen Melos auf zwanglose Weise zu etwas ganz eigenem. Stefan Mörth spielt mit reinem Ton und jugendlicher Frische. Das Publikum ist begeistert.