Kultur

Ein Professor sieht rot: Mordfantasien eines Mediziners

Der „Tatort“ aus Münster versucht es ohne Klamauk

Der erste Tote ist Boerne. Der Professor bricht zusammen, getroffen von zwei Flintenkugeln, ehe der Täter sich über ihn beugt, um den finalen Schuss anzusetzen. Aber natürlich kann der Münsteraner „Tatort“ nicht auf seinen begnadeten Selbstdarsteller verzichten, und so ist der einigermaßen verblüffende Einstieg von Regisseur Lars Jessen in „Feierstunde“ nichts anderes als der Tagtraum eines rachsüchtigen Forscherkollegen bei seiner Therapeutin. Gleich-wohl aber ist die Szene auch der Auftakt zu einem Krimi, der es ungewohnt ernst meint für Münsteraner Verhältnisse. Der tagträumende Professor Götz (Peter Jordan) meint es nämlich ernst mit seinen Mordfantasien. Seine todkranke Frau hat sich umgebracht, sie war an der Nervenkrankheit ALS erkrankt, Götz’ Forschungsversuche endeten erfolglos. Seine Wut projiziert er auf den ebenso schnöseligen wie eloquenten Boerne (Jan Josef Liefers), der gerade drei Millionen Euro Forschungsgelder für ein Mumien-Projekt eingesackt und den graumäusigen Kollegen Götz damit praktisch ausgestochen hat: Der ist natürlich überzeugt davon, dass er das Geld dringender benötigt hätte.

Die Psychotherapeutin (Oda Thormeyer) hält die formulierten Blutgelüste ihres aufgeregten Patienten für harmlose Spinnereien, und muss sich später von Kommissar Thiel (Axel Prahl) darüber aufklären lassen, dass Götz gleich ein ganzes Waffenarsenal im Darkroom des Internets bestellt hat. Als Boerne gerade mit seinen Forscherkollegen den Geldsegen feiern will, taucht der verbitterte Götz mit den Knarren auf der Kneipenparty auf und nimmt die ganze Gesellschaft als Geiseln. Regisseur Jessen inszeniert diese monströse Idee als Kammerspiel im Kontrast zwischen drinnen und draußen, wo Thiel die Erstürmung des Lokals plant. Drehbuchautorin Elke Schuch reduziert die westfälischen Witzchen auf ein Minimum, und doch fällt es schwer, das arg konstruierte Drama bedrohlich zu finden. Sind Prahl und Liefers für einen echten Krimi verbrannt? Wahrscheinlich.

„Tatort: Feierstunde“ So 20.15, ARD