Kultur

Gayle Tufts macht sich im Tipi zur Superwoman

Das Licht geht an, der Glitzervorhang öffnet sich. Und da kommt sie, die Arme ausgebreitet, umhüllt von Nebel, in einem schwarzen Hosenanzug, darunter ein Shirt, auf dem scheinbar das Superman-Logo hervorblitzt. Tatsächlich ist es ein rotes G für Gayle Tufts, eingerahmt in ein gelbes Herz. Sie ist der Ami, der in Berlin lebt und Comedy macht, am Mittwochabend im Tipi am Kranzleramt. Dort feiert sie mit ihrem neuen Programm "Superwoman" Premiere, beginnt sogleich mit einem politischen Statement zur US-Wahl. "It's fucked up, wie soll ich es anders sagen." Denglisch, ein Mix aus Deutsch und Englisch, ihr Markenzeichen. "They are Nazis and Pegida, David Guetta and Justin Bieber", feuert sie weiter. Tufts ist ein Kraftpaket auf der Bühne, mal als Miss America, mal als Statue of Liberty oder eben als Superwoman. Dabei bietet sie eine außergewöhnliche Vielfalt, was nicht nur an den acht verschiedenen Kleidern liegt – mal trägt sie einen Kartoffelsack, dann einen Trainingsanzug, dann die amerikanische Flagge. Mühelos wechselt sie zwischen Selbstironie und Stellungnahme, fordert etwa dazu auf, Selbstzweifeln den Kampf anzusagen, Hillary Clinton im Wahlkampf zu unterstützen – und die Kartoffel wieder mehr wertzuschätzen.

Bei all dem bleibt Tufts aber verbindlich, tritt keinem bösartig auf die Füße, wird nie verbissen oder eifernd. Charmant kritisiert sie die derzeitige Popmusik. Die dahingehauchten Cover einstiger Hits langweilen sie. Ein Highlight des Abends ist ihr gefühlsvolles Cover von Adeles "When We Were Young", bei dem allerdings auch auffällt: Leise fällt Gayle Tuft schwer. Ihre Stimme trägt in den tiefen, lauten Tönen. Und genau das ist das Besondere an der gebürtigen Amerikanerin. Sie ist nicht grandios wegen ihres Witzes, ihrer Songs oder ihres Tanzens. Es ist das Zusammenspiel, die sympathische Gesamterscheinung, die Vielfältigkeit, die den Abend trägt.

Aufgewachsen in Brockton, Massachusetts, studierte sie in New York alles, was mit Show zu tun hat: Gesang, Schauspiel, Tanz, Schreiben. Obwohl sie seit Anfang der 90er-Jahre fest in Berlin lebt, ist ihr Blick auf dieses Land nach wie vor der einer Außenseiterin, was sie in ihren selbst geschriebenen Shows zeigt. Trotz manchen Witzes auf Kosten anderer macht sie es ihren ­Zuschauern unmöglich, sie nicht zu mögen.

Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Tiergarten. Tel.: 390 66 550. Nächste Termine: 23.–26.9., 30.9., 2.10., 4./5., 7./9.10.

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