Kultur

Fremdes Land: Ingo Zamperoni stellt Amerika vor

Ingo Zamperoni ist in Wiesbaden groß geworden, in der Nähe einer Siedlung für US-Soldaten. „Es gab dort große Barbecue-Grills und Auffahrten vor den Häusern, auf denen beeindruckend breitspurige Boliden Made in USA standen, die kein deutscher TÜV zugelassen hätte. Natürlich fehlten weder ein Basketball-Platz noch ein Baseball-Feld“, schreibt Zamperoni in seinem neuen Buch „Fremdes Amerika“.

Zamperoni hat Amerikanistik studiert, war für ein Austauschjahr in den USA und ist noch für zwei weitere geblieben. Schon damals ist er Facetten begegnet, die ihn enttäuscht haben: marode Infrastruktur, Doppelmoral, unübersehbare Armut, „das absurde Recht auf Waffenbesitz oder der alltäglichen Rassismus“. Seit Januar 2014 lebt er als ARD-Korrespondent samt seiner Familie in Washington. Dabei stellt er fest, dass der deutsche Blick auf die Vereinigten Staaten ziemlich verzerrt ist. Die USA sei für uns ein fremdes Land, ist seine Kernthese. „Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist belastet wie selten zuvor“, schreibt Zamperoni. Gerade weil die vielen unerfüllbaren Hoffnungen auf Barack Obama projiziert hätten, habe es eine Lawine von Reibungen gegeben.

Zamperoni will mit seinem Buch einen Beitrag leisten, die USA besser zu verstehen. Und das gelingt ihm auch. Er ist ein angenehmer Erzähler, klug, unterhaltsam, der viele Informationen mit persönlichen Erlebnissen und Einschätzungen verwebt. Zamperoni erklärt, welcher Zusammenhang zwischen der zunehmenden Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft und dem Erfolg von Donald Trump und Bernie Sanders besteht. Er zeigt, warum die USA mit Blick auf ihr Sicherheitsbedürfnis nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ein anderes Land geworden sind.

Und er weist darauf hin, dass wir Deutschen die USA oft falsch wahrnehmen: Weil die Autos dort größere Motoren haben, halten wir Amerikaner pauschal für Umweltsünder. Dabei habe sich viel in Sachen Ökologie getan. Was von Obama langfristig bleibt, sei die Grüne Revolution, sagt Zamperoni. In der Diskussion ums Freihandelsabkommen TTIP gehe es nicht nur darum europäische Standards zu senken. Zum Teil seien die amerikanischen sogar höher. Wer das Buch gelesen hat, hat nicht für alles Verständnis, was in den USA passiert. Aber man versteht vieles besser, sieht manches differenzierter und hat einiges gelernt.