Kultur

Tanzen und turnen

Ein Phänomen ist zu besichtigen: Justin Bieber begeistert 13.000 Menschen in der Mercedes-Arena

Justin Bieber hat sich an diesem Abend für sein Notorious-B.I.G.-Shirt entschieden. Es ist Mittwochabend, und der Kanadier spielt in einer ausverkauften Mercedes-Benz-Arena. Gut 13.000 Fans sind gekommen. Unter ihnen viele junge Mädchen, die für ordentlich Lärm während der gut zweistündigen Show sorgen. Auch dieses Konzert macht den Trend in Richtung Zirkus mit, der bei Madonna oder auch Helene Fischer zu beobachten war: Es gibt Tanz, es gibt Effekte, und Justin Bieber turnt auf einem enormen, über dem Publikum schwebenden Trampolin.

Justin Bieber ist ein interessantes Phänomen, weil er, je nach Alter des Zuschauers, komplett unterschiedlich wahrgenommen wird. Die Älteren, und hier liegt die Grenze bei um die 22 Jahre, verweisen auf die kaum nachzuvollziehenden Aufgeregtheiten um seine Person. So fuhr er angetrunken im Sportwagen, warf angeblich Eier auf das Nachbarhaus in Los Angeles, und unver-gesslich wird der 14. März 2013 bleiben, meldeten doch die Nachrichtenagenturen, dass sein Hamster gestorben sei.

Die Jüngeren können die Verachtung und das Unverständnis nicht nachvollziehen, vielleicht bekommen sie sie auch gar nicht mit. Für sie zählt das neue, sehr erfolgreiche und auch sehr ordentliche Album „Purpose“. Justin Bie­ber ist für einen 22-Jährigen schon ziemlich lange in der Popbranche. Mit 14 Jahren entdeckte ein Talentscout seine YouTube-Videos und verschaffte dem Jungen aus Kanada einen Plattenvertrag. Die Single „Baby“ machte ihn schon kurz darauf zum Weltstar. Millionen Mädchen auf der ganzen Welt erklärten sich zu „Beliebers“, einem Wortspiel aus Bieber und „believers“, Englisch für Gläubige.

Zum Auftakt des Abends lässt sich Justin Bieber in einem Glaskasten in den Hallenhimmel heben. Zurück am Boden schreitet er lässig die Bühne ab. Später wird er in einem Blechkäfig gesichtet. Dort singt er eine Art Abrechnung. „I’ll show you“ heißt der Song über sein ganz persönliches Trauma des Ruhms. Wartet nur, ich werde es euch allen zeigen – soweit der Tenor. „Don’t forget that I’m human, don’t forget that I’m real“, setzt Bieber nach. Und dabei ist die Berliner Abordnung der Beliebers bestens vertreten. Das Publikum ist erstaunlich textsicher, Zeile für Zeile singen Mädchen die Songs ihres Idols mit.

Als Dankeschön bekommen sie einen Moment der Stille, Bieber zieht sich das T-Shirt über den Kopf und steht minutenlang schweigend vor seinem Publikum. Zum Schluss das große Feuerwerk: „Baby“, das einzige Stück seines Debütalbums „My World 2.0“, „Purpose“ und dann als Zugabe „Sorry“. Auf der Bühne regnet es, ein klitschnasser Justin Bieber verabschiedet sich.