Kultur Berlin

Müller verteidigt Sasha Waltz als Staatsballett-Chefin

Sasha Waltz ist eine international erfolgreiche Choreographin. Doch das Staatsballett Berlin will sie nicht als Chefin.

Mitglieder des Balletts demonstrieren am 13. September in Berlin während des Rundgangs von Politikern und Medienvertretern durch die fertig gestellten Gebäude der Intendanz

Mitglieder des Balletts demonstrieren am 13. September in Berlin während des Rundgangs von Politikern und Medienvertretern durch die fertig gestellten Gebäude der Intendanz

Foto: Soeren Stache / dpa

Kurz vor der Wahl steht der Regierende Bürgermeister plötzlich rebellischen Tänzern gegenüber. Michael Müller (SPD) hält auch nach Protesten der Tänzer an Sasha Waltz als künftiger Ko-Intendantin des Staatsballetts fest. Die Ernennung der Berlinerin Waltz und des Schweden Johannes Öhman als Führungsduo ab Mitte 2018 sei die richtige Entscheidung, sagte Müller, der auch Kultursenator ist, am Dienstag. Das Staatsballett bekomme eine zukunftsweisende Leitung für zeitgenössischen Tanz und Ballett. Waltz habe einen internationalen Ruf. „Sie kennt Berlin und Berlin kennt sie“, ergänzte er.

Waltz sagte dem 3.Sat-Magazin „Kulturzeit“, sie wolle eine Brücke bauen zwischen der Klassik und dem zeitgenössischen Tanz. „Gemeinsam werden wir eine spannende und herausfordernde Programmatik entwickeln, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft abbildet“, sagte Waltz, die die Leitung ihrer Compagnie „Sasha Waltz & Guests“ behalten soll. Dazu sagte Müller, er sehe dabei keinen Konflikt. Waltz habe betont, dass sie keine „Konkurrenzveranstaltung“ zum Staatsballett wolle.

Tänzer hatten bei einem Besuch Müllers im Probezentrum der Staatsoper Unter den Linden am Dienstag ein Transparent mit der Aufschrift „rettet Staatsballett“ entrollt. Müller suchte das Gespräch mit den Tänzern, die jedoch nicht reagierten. „Dann eben nicht“, sagte der SPD-Politiker und verließ den Raum. „Natürlich haben wir Fragen an ihn“, sagt Primaballerina Nadja Saidakova. Aber man wollte sie nicht im Vorbeigehen auf einem Korridor stellen. „Wir wollten einen stillen Protest.“ Mit Erfolg, wie die Spitzentänzerin glaubt. Johannes Öhman, der bisher das Royal Swedish Ballet leitet, werde am heutigen Mittwoch mit den Tänzern sprechen, sagte der Regierende Bürgermeister.

In einer im Internet veröffentlichten Petition hatte das Ensemble Waltz als Nachfolgerin des Spaniers Nacho Duato für den Posten abgelehnt. Als Vertreterin des Tanztheaters sei sie für die Leitung einer klassischen Ballettcompagnie ungeeignet. Die Personalie drohe den Ruf des Staatsballetts zu beschädigen. Die Petition wurde bereits von mehr als 3100 Menschen unterschrieben.