Kultur

Schicksalsschläge einer Sauberfrau

Angelika Milster glänzt als Doris Day – aber nur, wenn sie singen darf

Drei Mal wurde ihr der „Sour Apple“ verliehen. Das wurmt Doris Day noch im hohen Alter. In den 50er- und 60er-Jahren war sie die erfolgreichste Schauspielerin Hollywoods. Aber die Presse hat sie als unkooperativsten Star gedemütigt. Da steht sie nun, über 90-jährig, in Gummistiefeln im Garten, schmollt noch immer und will nach wie vor nichts von ihrem Privatleben preisgeben. Da sie aber für ihre Tierstiftung Spenden sammelt, drängen immer wieder Besucherscharen zu ihr aufs Land. Und die wollen nichts über ihre Hunde wissen, sondern über den einstigen Star, der sich längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.

Das zumindest ist die Ausgangssituation von „Doris Day – Day by Day“, das jetzt am Schlosspark Theater uraufgeführt wurde. Da sitzt sie denn, die alte Dame, links von der Bühne auf ihrem Verandastuhl, und erzählt aus ihrem Leben, das sich auf der Hauptbühne vor einer vierköpfigen Band abspielt. Und was bietet diese Vita nicht an Kontrasten! Stets wurde Doris Day als Bieder- und Sauberfrau und ewige Jungfrau verspottet. Dabei musste sie einen Schicksalsschlag nach dem anderen verkraften. Einen Unfall, der ihren Traum als Tänzerin beendete. Ihren ersten Ehemann, der sie schlug und vergewaltigte, ihren zweiten, der sie aus Neid auf ihren Erfolg verließ, und ihren dritten, der sie ruinierte.

Zu wenig Spielszenen fürDoris Days Leben

Es ist jedoch nicht so, dass Doris Day das alles für sich behalten hätte. Sie hat sich das 1975, als sie sich zurückzog, alles von der Seele geschrieben: in ihrer Autobiografie „Her Own Story“. Rainer Lewandowski blättert sich in seinem Stück einmal durch diese Vita. Leider viel zu schnell. In kaum 95 Minuten gibt es viel zu wenig Spielszenen, das meiste erzählt die Day als Monolog. Kein Vergleich zu Biografiestücken wie Pam Gems’ „Marlene“ oder „Piaf“. Saurer oder Goldener Apfel? Es ist ganz klar, worein Dieter Hallervordens Theater hier gebissen hat.

Regisseur Holger Hauer kitzelt das Beste aus dem Stück heraus. Ferdinand von Seebach treibt seine Musiker an, um die Monologblöcke aufzulockern. Und Nini Stadlmann, Sascha Rotermund und Tobias Licht meistern tapfer die undankbare Aufgabe, alle anderen Figuren in Kürzestauftritten anzureißen. Der Abend gehört aber ganz Angelika Milster. Es ist etwas merkwürdig, dass sie die Mutter derjenigen sein könnte, die ihre Mutter spielt. Aber das gehört eben zur Rückschau-Idee. Noch merkwürdiger ist indes, wie nervös die doch bühnenbewährte Milster ist, die sich bei den Textkonvoluten mehrfach verhaspelt. Vielleicht ist die zahlreiche West-Berliner Prominenz schuld, die zur Premiere gekommen ist. Vielleicht ist es der Vergleich mit der übergroßen Ikone. Oder die Einsicht, dass das Stück einfach zu dünn ist. Am stärksten ist die Milster immer dann, wenn sie Songs der Day singen darf. Da ist sie ganz bei sich, da überstrahlt sie alle Hänger, da liegt ihr das Publikum zu Füßen. Und singt bei „Que sera, sera“ sogar mit. Vielleicht sollte sie einfach einen Abend nur mit Day-Songs gestalten. Es wäre auf jeden Fall ein größerer Abend.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz. Tel.: 78956 67 100. Termine: 29.9.–6.10., 2.–7.11.