Berlin Art Week

Das sind die Höhepunkte bei der Berlin Art Week

Am Dienstag beginnt die Berlin Art Week. Wir haben für jeden Tag die vielversprechendsten Ereignisse herausgesucht.

Performance: Die junge Künstlerin Adela Souckova vollendet ihre Zeichnungen vor Publikum. Zu sehen ist ihre Arbeit in der Zwitschermaschine. Der Projektraum wird mit 30.000 Euro ausgezeichnet

Performance: Die junge Künstlerin Adela Souckova vollendet ihre Zeichnungen vor Publikum. Zu sehen ist ihre Arbeit in der Zwitschermaschine. Der Projektraum wird mit 30.000 Euro ausgezeichnet

Foto: Jirka Jansch

Wie kommt das Huhn ins Museum? Füttern kann man es nicht, trotzdem werden Andreas Greiner und sein Vogel für einige Aufmerksamkeit auf der Art Week sorgen. In der Berlinischen Galerie hat der Meisterschüler von Olafur Eliasson sein 7,50 Meter großes Huhn installiert, vielmehr den 3-D-Ausdruck der Knochen eines Huhns. Das arme Federvieh kam in einem Maststall zu Tode – so zugefüttert, dass die Fußknochen brachen. Der Jury gefiel dieses Statement zwischen Kunst und Wissenschaft, und so bekommt der junge Berliner Künstler am heutigen Dienstagabend den Gasag-Kunstpreis überreicht.

Dienstag

Die Eröffnungsparty abends ab 22 Uhr im Kino International wird einstimmen auf dieses Riesenfest mit drei Messen, Eröffnungen, Preisverleihungen, Atelierbesuchen, Privatsammlungen und der Off-Szene. DJ Schowi ist angesagt vor dem legendären cineastischen Glitzervorhang. Wie auch beim Gallery Weekend trifft sich bei der Art Week eine wilde Mischung aus Sammlern, Berlinern, Touristen und Museumsleuten. Die Kulturverwaltung und der Wirtschaftssenat haben das Event vor fünf Jahren auf die Beine gestellt, damit der Herbsttermin rund um die eingestellte Kunstmesse Art Forum lebendig bleibt. Vergangenes Jahr kamen 100.000 Besucher.

Mittwoch

Am Mittwoch könnten wir uns mindestens dreiteilen, es ist der Tag der großen Vernissagen von Einzelausstellungen: Halil Altındere im Neuen Berliner Kunstverein, Yvonne Roeb in der Schering Stiftung. Den größten Andrang wird es wohl bei Anne Imhof im Hamburger Bahnhof geben. Im letzten Jahr erhielt sie den Preis der Nationalgalerie. Jetzt führt sie in der Historischen Halle den zweiten Akt ihrer Ausstellungsoper „Angst“ vor – als Performance. Die Akteure: Falken, Falkner, Bussarde, zwei Seiltänzerinnen, Nebel. Allerdings brauchen wir einen langen Atem – von 20 bis 1 Uhr.

Donnerstag

Am Donnerstag ist Messetag. Die Positions logierte letztes Jahr in der Arena, diesmal vergrößert sie sich mit 74 Galerien und 236 Künstlern aus 37 Ländern im Postbahnhof. Sie zieht andere Sammler an als die Hauptmesse ABC (Art Berlin Contemporary). In der bewährten Station am Gleisdreick speckt sie heftig ab. 63 Galerien statt 105 im vergangenen Jahr. Die Weitläufigkeit der Hallen wird eingetauscht gegen eine „kabinettartige Atmosphäre“ und ein Plus an „Konzentration“. Der Fokus liegt bei den Berliner Galerien: Spaßmacher Erwin Wurm, der kürzlich eine Schau in der Berlinischen Galerie hatte, ist bei Galerie König vertreten. Malerstar Eberhard Havekost breitet bei Gebr. Lehmann sein Universum aus.

Freitag

Die Gallery Night ist für den Freitagabend von 18 bis 21 Uhr angesagt. Die auf der ABC vertretenen Galeristen öffnen ihre Räume länger, um zusätzliche Positionen zu präsentieren wie etwa Eigen+Art die „Glücklichen Zeiten“, ein irrwitziges Grillen-Konzert von Remy Markowitsch. Der Nachmittag gehört von 13 bis 16 Uhr den Projekträumen, experimentell orientiert, arbeiten sie jenseits vom Markt. Zwitschermaschine, Gewächshaus oder Kule, wie immer sie sich nennen – 150 dieser Kunsträume gibt es. Ihr leicht anarchisches Potenzial für Berlins Szene hat Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) erkannt. Dafür gibt es Geld und einen Preis: 20 wird er am Freitag mit je 30.000 Euro auszeichnen. Danach darf gefeiert werden in der Bar „Babette“ in der Karl-Marx-Allee.

Wochenende

Das Wochenende gehört Berlins Privatsammlern, die ebenso mit verlängerten Öffnungszeiten einladen. Wieder dabei: Der Boros-Bunker, neu dazugekommen ist Julia Stoschek mit ihrer „Welt am Draht“. Der „me Collectors Room“ feiert „My Abstract World“ als malerische Komfortzone. Max Dax hat etwa zu den Bildern von Katharina Grosse und Thomas Scheibitz Musik zusammengestellt, Drinks auf dem Sofa können per Telefon geordert werden. Axel Haubrok lädt mal wieder in Honeckers „Fahrbereitschaft“ in Lichtenberg zu „between frames“. Zwischen den Rahmen geht es diesmal um Kopfkino. Die Bildermaschine läuft.