Hauptrolle Berlin

Filmemachen ist wie Kinderkriegen: Denk nicht an die Wehen!

In der Reihe „Hauptrolle Berlin“ erzählt Wolfgang Becker von all den Pannen, die den Dreh von „Good Bye, Lenin!“ begleitet haben.

Regisseur Wolfgang Becker mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander

Regisseur Wolfgang Becker mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander

Foto: Sergej Glanze

Die schönste und wohl auch emblematischste Szene aus „Good Bye, Lenin“ ist die, wenn Katrin Sass, der vorgegaukelt wird, sie lebe noch immer in der DDR, auf die Straße voller Westautos tritt. Und dann der abgetragene Lenin-Kopf an ihr vorbeifliegt. Was im fertigen Film so grandios aussieht, war aber beim Dreh ein einziges Desaster. Und das gleich zwei Mal, wie sich Regisseur Wolfgang Becker im Zoo Palast erinnerte, wo er gestern seinen Film noch einmal in der Reihe „Hauptrolle Berlin“ vorstellte.

Die ganze Karl-Marx-Allee war für die Szene geräumt, sämtliche West-Autos, Graffitis und Parkuhren entfernt worden. Und dann – regnete es in Strömen, mitten im Sommer. An Drehen war nicht zu denken. Das ganze, ein immens logistischer Aufwand, wurde noch mal wiederholt. Diesmal lachte die Sonne, alles stimmte. Nur der Hubschrauber kam nicht. Er war defekt. Und es war klar, ein drittes Mal kann man das nicht filmen.

Am Ende hat man mit einem Behelfshubschrauber improvisiert, der nur die Vorgabe für die Kameras gab. Alles andere wurde später am Computer bearbeitet, ist also „Movie Magic“ – was auch gestern keinem, der zusah, auffiel. Aber es ist nur eine von zahllosen Pleiten und Pannen, die den Dreh begleiteten.

Jetzt, 13 Jahre später, kann Becker darüber lachen. Hätte er damals aber gewusst, was alles passieren, was alles schief gehen würde, hätte er den Film dann auch gemacht? „Es ist wie mit einer Frau“, so seine schlagfertige Antwort, „wenn die sich noch an die Geburtsschmerzen erinnern würde, würde sie auch keine Kinder mehr kriegen wollen.“

Die Wehen haben sich gelohnt. „Lenin!“ hat nicht nur zahllose Preise gewonnen, sondern war auch ein riesiger Publikumshit. So riesig, dass Becker, das gibt er gern zu, zwischendurch mal kneifen musste. Nämlich an einem Wochenendtag, als sein Film mehr Zuschauer fand als die ganze Bundesliga.

Der Regisseur kam nicht allein in den Zoo Palast, er brachte gleich mehrere Freunde mit, unter anderem seinen Kollegen bei X Filme, Dani Levy. Und Becker erklärte sich auch spontan bereit, nach dem Film noch auf Fragen des Publikums zu antworten. In der Reihe, die die Berliner Morgenpost mit dem Zoo Palast an jedem ersten Dienstag im Monat veranstaltet, wird als nächstes am 4. Oktober „Jack“ gezeigt, Edward Bergers packendes Drama über eine endlose Kinder-Odyssee durch Berlin.