Kultur

Jude Law stellt sich als rauchender, junger Papst vor

Und für die Deutschen gibt es Löwen-Chancen in Venedig

Manchmal würde man gern die private Seite von Prominenten kennen. Was sie machen und wie sie sind. Zum Beispiel der Papst. Was er wohl zum Frühstück isst? Oder wie er so ist als Chef? Beim Filmfest Venedig gab es am Wochenende genau darauf Antworten – zumindest auf der Leinwand.

Denn der italienische Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza“) stellte dort sein neues Werk vor: In „Der junge Papst“ gibt Jude Law den ersten US-amerikanischen Papst und bringt mit Diane Keaton an seiner Seite Unruhe in den Vatikan. Er habe sich zwar Sorgen gemacht, eine so öffentliche Person zu spielen, sagte Law in Venedig. Sorrentino habe aber auf die private Person – ein Waisenkind, das Papst wird – fokussiert. Übrigens: Sein Papst raucht und verrät Beicht-Geheimnisse. „Der junge Papst“, als Fernseh­serie angelegt, war dabei einer der zahlreichen prominent besetzten Beiträge des Wochenendes – von denen auffällig viele um religiöse Themen kreisten. So wie bei Mel Gibson, der sein neues Werk „Hacksaw Ridge“ ebenfalls außer Konkurrenz zeigte. Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt der umstrittene Regisseur von einem US-Soldaten (Andrew Garfield), der sich im Zweiten Weltkrieg weigert, eine Waffe in die Hand zu nehmen – was Gibson als religiös-übersteigerte Heldengeschichte inszeniert.

Im Wettbewerb überzeugten zwei deutsche Koproduktionen. In dem thrillerartigen Western „Brimstone“ kämpft die 22-jährige Dakota Fanning, bekannt aus den „Twilight“-Filmen, gegen einen übermächtigen Priester (Guy Pearce). Viel stillere Töne schlägt Frankreichs Erfolgsregisseur François Ozon („8 Frauen“) an. Anhand einer Familiengeschichte erzählt er in „Frantz“ von den Gräueln eines Krieges und der Annäherung einstiger Feinde: Die junge Anna trauert um ihren gefallenen Verlobten. Dann trifft sie an seinem Grab einen französischen Soldaten. In schwarz-weißen Bildern formuliert Ozon einen Appell zur Versöhnung und macht vor allem die deutsche Schauspielerin Paula Beer bekannt. Die 21-Jährige war bislang eher in Nebenrollen zu sehen, überrascht hier mit ihrem nuancierten Spiel - an der Seite von Pierre Niney („Yves Saint Laurent“).