Kultur

Peter Pan und das Trampolin an der Straßenecke

Die Komische Oper startet in die neue Spielzeit – mit einem bunt gemischten Kinderfest

Durchsage: „Wir bitten die kleine J. mit dem pinkfarbenen Kleid, zu den Luftballons zu kommen.“ Jener Großauflauf von Kindern, der nicht mehr so recht zu überblicken ist und den man vom Jahrmarkt oder aus dem Zirkus kennt, findet in der Komischen Oper Berlin statt. Es ist das Eröffnungsfest der Spielzeit – einen Tag nachdem bereits die Deutsche Oper bei ihrem Fest zum selben Anlass einen Besucherzustrom von 14.000 Menschen verkündete.

Nun, das Fest in der Komischen Oper ist ein explizites Kinderfest. Vor dem Opernhaus werden die Besucher von den Garderobendamen begrüßt und nehmen die Kinderwagen und Fahrradanhänger in Empfang. Dann laufen wir in vier Hornisten mit schmissigen Jagdliedern hinein, bevor wir erneut ein bisschen zusammenzucken – am Eingang stehen ein lebensgroßes Nilpferd und ein Nashorn. Das Nilpferd ist ein wichtiges Requisit für die neue Kinderoper des Hauses, die Anfang November Premiere haben wird: „Peter Pan“. Man hätte es ahnen können, wofür das gut frequentierte Bungee-Trampolin an der Straßenecke dienen sollte: zum Fliegenlernen, wie Peter Pan es kann.

Das Kinderfest ist nämlich nicht einfach irgendein Kinderfest, sondern es dreht sich in jeder der vielen kleinen, durchschnittlich halbstündigen Veranstaltungen um den Jungen, der nicht erwachsen werden will und bei seinen Abenteuern nicht nur Krokodile und Indianer, sondern auch den bösen Piraten Käpt’n Hook trifft. Opernhaft eingeschworen wird man auf diese Begegnung vormittags im großen Saal, bei der ersten Hauptveranstaltung: Das Orchester spielt Auszüge aus der neuen Kinderoper von Richard Ayres und Lavinia Greenlaw – allerdings erst nachdem die meisten im Saal anwesenden Kinder lautstark zu verstehen gegeben haben, dass sie das Stück bereits in- und auswendig kennen.

Die Komische Oper mit ihrem Kinderchor hat mittlerweile ganz von allein Verbindungen in die Bezirke – über Geschwister, über Freunde der Kinderchoristen. Für die anderen allerdings – das Fest soll ab 4 Jahren sein – ist es zunächst nicht ganz so einfach, die Figuren des Stückes sofort zu identifizieren, zumal es sich, in Gestalt der Solistin Mirka Wagner, hier wirklich um lupenreine Oper handelt – unterhaltsam, aber mit dem ganzen Anspruch des Genres. Die Musik von Ayres ist gut. Es sind zirkusaffine Klänge mit spritzig erfundenen Reminiszenzen an Strawinski, eine scheinbar aus Musikbausteinen kunstvoll zusammengeklebte Partitur, in der jedes einzelne musikalische Element seine eigenen Pirouetten dreht.

Draußen im Foyer dann haben sich die Veranstalter am späten Vormittag viel vorgenommen: Zwar werden etliche Kinder nach unten zum Piraten- und Fee-Schminken entführt, aber es ist im ersten Stock immer noch zu voll, um einen zünftigen Tanz-Wettkampf zwischen Piraten und Peter-Pans stattfinden zu lassen. Draußen spielen wieder die Hörner. Es geht zur musikalischen Gruselgeschichte in den Gewölbekeller, eine Art Geisterbahn mit allen üblichen Devotionalien führt dorthin. Das Konzert des Kinderchors unter Leitung von Dagmar Fiebach ist eine wahre Ohren- und Augenweide – die Kinder im Publikum jedenfalls bekommen, trotz Trampolin draußen, kaum genug. Am Ende ist die Bühne von Hunderten Publikumskindern bevölkert, die fliegende Kühe und Riesenameisen aus den Kinderopern der letzten zehn Jahre bestaunen. Fliegen darf man natürlich auch.