Kultur

Großer Star-Andrang am Lido – nur die Party fällt aus

Am Mittwoch beginnen die Filmfestspiele von Venedig. Wim Wenders zeigt seinen neuen Film, Nina Hoss sitzt in der Jury

Auf ein Kinowunder wie mit „Toni Erdmann“ im Mai in Cannes kann der deutsche Film auf dem Filmfestival in Venedig, das am Mittwoch beginnt, wohl nicht hoffen, aber immerhin zwei deutsche Koproduktionen gehen ins Rennen um den Goldenen Löwen. Wim Wenders lotet in seiner Adaption des Peter -Handke-Stücks „Les beaux jours d’Aranjuez“ weiter die dramaturgischen Möglichkeiten der 3-D-Technologie aus.

Während Wenders auf Französisch dreht, geht Frankreichs Meisterregisseur François Ozon den umgekehrten Weg. In seinem größtenteils in Deutschland auf Deutsch gedrehten Melodram „Frantz“ widmet er sich den Nachwehen des Ersten Weltkriegs in einer deutschen Kleinstadt, gespiegelt in der Annäherung der Verlobten eines gefallenen Soldaten, gespielt von der 21-jährigen Berlinerin Paula Beer, und einem unbekannten Franzosen.

Glamourös wird es gleich zur Eröffnung am Mittwochabend. Das Festival beginnt mit „La La Land“, einer mitreißenden Hommage an die großen Hollywoodmusicals mit Ryan Gosling und Emma Stone in den Hauptrollen, die auch am Roten Teppich erwartet werden. Die anschließende Gala und Party allerdings wurde aus Solidarität mit den Opfern des Erdbebens in Italien vergangene Woche abgesagt.

Die Herbstfestivals in Venedig und Toronto gelten traditionell als erste Gratmesser für das Oscar-Rennen der amerikanischen Studios. In diesem Jahr dürfte die Mostra dem großen Rivalen auf der anderen Seite des großen Teichs den Rang ablaufen. Oscarpreisträgerin Natalie Portman schlüpft in Pablo Larraíns „Jackie“ in die Rolle der Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy und Denis Villeneuve schickt im Science-Fiction-Thriller „Arrival“ Amy Adams und Jeremy Renner in den Kampf gegen Außerirdische. Adams spielt auch in „Nocturnal Animals“, der zweiten Regiearbeit des Modedesigners Tom Ford nach „A Single Man“, neben Jake Gyllenhaal. Und in Derek Cianfrances Literaturverfilmung „The Light between Oceans“ verlieben sich Michael Fassbender und Alicia Vikander so glaubwürdig ineinander, dass es Gerüchten zufolge auch am Set gefunkt hat.

Ergänzt wird der aus 20 Beiträgen bestehende Wettbewerb durch Festivallieblinge wie dem Serben Emir Kusturica, dem Mexikaner Amat Escalante sowie dem Philippinen Lav Diaz, der erst im Februar einen Achtstünder auf der Berlinale präsentiert hat. Sein Schwarzweißdrama „The Woman Who Left“ nimmt sich da fast bescheiden aus. Die Jury unter Vorsitz des Bond-Regisseurs Sam Mendes, in der auch die Berliner Schauspielerin Nina Hoss sitzt, braucht nur Sitzfleisch für knapp vier Stunden. Nicht zu tangieren scheint das Festival dagegen die in Berlin und Cannes geführte Debatte um die Frauenquote. Ein einziger Wettbewerbsbeitrag stammt von einer Regisseurin. Die 36-jährige Amerikanerin Ana Lily Amirpour stellt das apokalyptische Kannibalenmärchen „The Bad Badge“ vor.

Außer Konkurrenz laufen außerdem die Neuverfilmung der „Glorreichen Sieben“ mit Denzel Washington, Chris Pratt und Ethan Hawke sowie Mel Gibsons Weltkriegsdrama „Hacksaw Ridge“ mit Andrew Garfield in der Hauptrolle. Nach dem Skandal um Gibsons wiederholten antisemitischen Entgleisungen ist der Film seine erste Regiearbeit seit zehn Jahren. Seine Rückkehr ins Rampenlicht hatte sich bereits in Cannes angekündigt. Damals durfte er die Goldene Palme an Ken Loach überreichen.