Kultur

Liebesgrüße aus Kairo

Nun auch endlich im deutschen Fernsehen: ZDF strahlt ab heute die BBC-Serie „The Night Manager“ mit Tom Hiddleston aus

Ein Name, der verlässlich fällt, wenn es um einen neuen James-Bond-Darsteller geht, ist der von Tom Hiddleston. Auf solche Spekulationen muss man nichts geben, am Ende, das war ja auch bei Daniel Craig so, wird es eh einer, den niemand auf der Agenda hat.

Hiddleston prädestiniert allerdings gleich dreierlei für die 007-Nachfolge: Er ist Brite. Er ist sowohl im Arthaus- als auch im Blockbuster-Kino („Avengers“) erfolgreich. Und: Mit der BBC-Serie „The Night Manager“, die ab heute endlich auch im deutschen Fernsehen läuft, kann er eine eigene Agentenfigur vorweisen, die viel realistischer, viel ehrlicher als 007 ist. Und den Vorzug hat, von Thriller-Altmeister John le Carré zu stammen.

Anfangs ist dieser Jonathan Pine ein unauffälliger Nachtportier in einem Kairoer Luxushotel. Dort sucht die Geliebte eines mächtigen Ägypters seine Hilfe: Sie hat Geheimdokumente, die den britischen Geschäftsmann Richard Roper (Hugh Laurie) als illegalen Waffenhändler entlarven. Pine gibt das Material an den britischen Geheimdienst MI6 weiter, doch nichts geschieht. Die Zeugin aber wird ermordet. Pine wechselt daraufhin in ein Hotel fern in den Schweizer Bergen. Bis dort dieser Roper selbst als Gast auftritt. Pine, der sich am Tod der Frau mitschuldig fühlt, wendet sich erneut an den Geheimdienst, landet diesmal aber bei einer Konkurrenzabteilung zum MI6, die die Sache nicht nur vorantreibt, sondern ihn überzeugt, selbst aktiv zu werden. Pine soll als Maulwurf in Ropers finsteren Clan eingeschleust werden.

Es ist nicht vordergründige Action, die die Spannung vorantreibt, es sind die vielen Konfliktherde, die sich verzahnen: Pine muss sich gegen Ropers Misstrauen und gegen dessen sadistischen Vertrauten behaupten, wird aber von Roper selbst als Strohmann missbraucht. Dann verliebt sich der Agent, das ist sehr 007-like, in die Frau des Schurken (Elizabeth Debicki) und bringt so die ganze Aktion in Gefahr. Und: Teile des MI6 arbeiten für Roper und versuchen, Pines Undercover-Mission zu sabotieren. Ein weiteres Plus sind die Darsteller. Wann immer Hiddleston und Laurie in einem Raum stehen, knistert es vor Spannung. Laurie, bekannt als „Dr. House“, hat sich früh um die Rechte an dem 1993 erschienenen Roman bemüht, wollte damals aber noch Pine spielen. Nun agieren beide, Hiddleston und er, als Koproduzenten, ebenso wie die Regisseurin Susanne Bier und le Carré selbst. „The Night Manager“ hat zudem den Vorzug, dass es eine abgeschlossene Serie ist, die nicht mit einem Cliffhanger für eine weitere Staffel endet.

Die BBC hat die Serie in sechs Folgen ausgestrahlt, auf DVD hat er acht Teile. Warum ihn das ZDF in drei Teile komprimiert, ist schwer verständlich und schadet der Spannungsdramaturgie. Aber das Zweite verlegt die Serie ja auch ins Spätprogramm. Eine der vielen einsamen Entscheidungen des Senders, der zwar am Serienboom teilhaben will, aber dann immer vor seinem eigenen Mut zurückschreckt.

„The Night Manager“ ZDF, 29.8., 5. und 12.9. je 22.15 Uhr