Kultur

Aus Liebe zum Großvater

Der Film „El Olivo – Der Olivenbaum“ ist voller Sehnsucht nach der Vergangenheit

Menschen klammern sich an Erinnerungen. Sie schießen Fotos an Geburtstagen, markieren die Größe des Kindes am Türstock oder heben Muscheln aus dem letzten Strandurlaub auf. Das alles, um später beweisen zu können, was man erlebt hat. Der spanische Film „El Olivo – der Olivenbaum“ zeigt, was passiert, wenn einem diese Erinnerungen genommen werden.

Der Film erzählt von der jungen Frau Alma. Sie ist frech, stur und vorlaut. Nach außen hin möchte sie stark wirken, dabei leidet sie sehr an ihrer familiären Situation. Denn seit ihre Familie den 2000 Jahre alten Olivenbaum des Großvaters gegen seinen Willen verkaufen musste, spricht dieser nicht mehr. Alma ist sich sicher, dass dies nicht an seinem Alter, sondern an dem Verlust des Baumes liegt. Denn dieser bedeutete für ihn Beständigkeit. Stolz erzählte er früher von der Geschichte des Baumes und dem Mythos, dass er von Römern gepflanzt wurde. „Der Baum ist mein Leben“, sagt er bei dessen Verkauf.

Verzweifelt versucht Alma nun, den Großvater aufzuheitern. Denn er ist ihre wichtigste Bezugsperson. Bei ihm muss sie nicht stark sein, sondern kann auch ihre verletzliche Seite zeigen. Sie versteht ihn, auch für sie bedeutet der Olivenbaum Geborgenheit, verbunden mit vielen schönen Kindheitserlebnissen. Um die Erinnerungen des Großvaters zu wecken, geht sie mit ihm täglich spazieren und singt ihm Lieder vor. Doch der Großvater reagiert nicht darauf. Als sich der gesundheitliche Zustand der Großvaters jedoch verschlechtert, hat Alma nur noch einen Lösungsvorschlag: Sie möchte den Olivenbaum finden und ihn zurück nach Spanien bringen. Sie ist überzeugt davon, dass der Großvater dadurch wieder Lebensmut fasst.

„El Olivo – Der Olivenbaum“ zeigt, wie eine Familie aufgrund einer Krisensituation wieder zusammenwachsen muss. Jeder muss sich um den Großvater kümmern, ein eigenständiges Leben ist für keinen mehr möglich. Diese bedrückende Situation, die Verzweiflung der Familienmitglieder und der Wunsch nach einem besseren Leben wird hier überzeugend dargestellt. Einfühlsam nähert sich der Film an das Thema Älterwerden und fokussiert sich dabei immer wieder darauf, wie schwierig es für die erwachsenen Kinder ist, den Vater so hilflos zu sehen. Neben dem Familiendrama porträtiert „El Olivo – Der Olivenbaum“ auch die Geschichte Spaniens. Mit dem Wirtschaftsaufschwung träumt Almas Vater Luis von der Selbstständigkeit. Gemeinsam mit seinem Bruder Alcachofa eröffnet er ein Restaurant. Das Geld bekommen sie eben durch den Verkauf des Olivenbaums. Doch die Weltwirtschaftskrise 2007 bedeutet für ihn den finanziellen Ruin. Seine Ehe zerbricht und statt dem ersehnten eigenen Haus muss er wieder zu seinem Vater ziehen. Trotz des traurigen Themas hat „El Olivo – Der Olivenbaum“ dennoch amüsante Szenen. Besonders Almas Onkel Alcachofa sorgt mit seiner Ahnungslosigkeit für Unterhaltung.

„El Olivo – Der Olivenbaum“ erzählt Almas Geschichte sehr glaubhaft und lebensnah. Auf der Suche nach dem Baum erkennt sie, dass die Sehnsucht nach den alten Zeiten sie nicht voranbringt. Ihr Ziel ist nicht nur die Genesung ihres Großvaters. Sie selbst möchte schließlich gerne bald wieder lachen.

Premiere am 24. August im Freiluftkino Friedrichshain, Landsberger Allee 15,
20.30 Uhr