Kultur

Frederic von Anhalt: Auf den Spuren eines Selbstdarstellers

So zeigt er sich gern: Mit Goldkette am Handgelenk und roter Schirmmütze rollt der Prinz in einem seiner Luxuswagen durch Beverly Hills, an Palmen und teuren Villen vorbei. Und so sieht man Frederic von Anhalt eher selten: nachdenklich auf der Terrasse seiner Villa im vornehmen Viertel Bel Air, sorgenvoll am Krankenbett seiner 99 Jahre alten Frau Zsa Zsa Gabor. Die Dokumentation „Prinz Hollywood – Frederic von Anhalt“ geht weit über die Skandalauftritte und Negativschlagzeilen des „Prinzen“ hinaus.

Sie beginnt mit einer Art Selbstdarstellung. Er, Frederic von Anhalt, sei ein gemachter Mann, der alles erreicht habe, was er je wollte – sagt er in die Kamera. Regisseurin Nicola Graef entlockt von Anhalt Anekdoten und erlebt mit ihm Überraschungen. Bei ihrem ersten Treffen in einem Restaurant am schicken kalifornischen Rodeo Drive in Los Angeles hätten an den Nachbartischen die Schauspieler Kevin Bacon und Andie MacDowell gespeist. „Dann kommt Elton John mit seiner Entourage an unseren Tisch und quatscht mit dem Prinzen“, erzählt die Regisseurin.

Man brauche „eine gute Story und ein Bild, das sich die Leute von einem einprägen können“, sagt Anhalt. Geboren im Hunsrück war der Sohn eines Kriminalrats aus dem 1000-Seelen-Dorf Wallhausen kurz zuvor mit dem festen Entschluss geflohen, es allen zu zeigen. Ein gemieteter Rolls-Royce mit Studenten als Bodyguards lieferte dann die Eintrittskarte, um sich als „Deutscher Royal“ Zutritt in Hollywoods Star-Adel zu verschaffen. Die Anekdoten, die der Prinz freimütig erzählt, sind an Schamlosigkeit kaum zu überbieten, sodass man sich anfangs schon wundert, dass die ARD einem solchen Selbstdarsteller 90 Minuten wertvoller Sendezeit einräumen kann. Tatsächlich aber ist der Film von Nicola Graef sehr feinfühlig gezeichnet.

„Prinz Hollywood – Frederic von Anhalt“ ARD, 22.45 Uhr