Film

Die Bösen sind die Guten: „Suicide Squad“

Der neue DC-Comifilm will eigentlich der Konkurrenz von X-Men und Avengers den Kampf ansagen – gerät aber zum Flop des Kinosommers.

Foto: Warner

Ach ja, Helden. Immer beschützen sie uns, immer wachen sie über uns und stehen für das Gute, Wahre und Richtige ein. Und wie danken wir es ihnen? Wir finden sie langweilig und eindimensional. Mephisto ist stets spannender als Faust.

Moderne Helden müssen deshalb unbedingt gebrochen sein, wenn wir uns noch für sie interessieren sollen. Christopher Nolan hat so den alten Batman in seiner berühmten Trilogie wieder flottgemacht. Wie weit man dabei aber inzwischen gehen muss, wird nirgends so virulent wie im Comicfilm.

Lauter Stars und Sternchen, die kaum zu erkennen sind

Gerade erst ist mit Deadpool ein Antiheld ins Kino gezogen, der politisch komplett unkorrekt ist und laufend mit Zoten und F-Wörtern um sich wirft. Das aber wird noch mal entscheidend getoppt in „Suicide Squad“, dem neuen Vehikel aus den DC-Comics. Da wird gleich eine ganze Horde von Schwerverbrechern, Freaks und Knallverrückten zu einer Spezialeinheit zwangsre­krutiert. Die Bösen sind die Guten.

Dabei muss der Film von David Ayer, der am Donnerstag in die Kinos kommt, einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Lauflänge dafür aufwenden, diese Grundidee dramaturgisch zu rechtfertigen. Und es gelingt ihm mehr schlecht als recht.

Superman ist tot, erfahren wir gleich zu Beginn. Und wer weiß, ob der nächste Anwärter mit Superkräften nicht ein Terrorist ist? Also wählt man lieber gleich das Übel, die „Schlimmsten der Schlimmsten“, wie es einmal treffend heißt, spritzt ihnen einen tödlichen Chip unter die Haut, den man jederzeit aktivieren kann, und erpresst sie so, aufseiten des Staates zu streiten.

Eine Ewigkeit wird nun eine schlimme Gestalt nach der anderen eingeführt, immer mit einem eigenen, typischen und möglichst lauten Song als Untermalung: ein Serienkiller (Will Smith), eine verrückt gewordene Wissenschaftlerin (Margot Robbie), eine lebende Echse, ein menschliches Feuerzeug und weitere ziemlich seltsame Kreaturen, die alle star- oder doch sternchenbesetzt sind, auch wenn man sie unter ihren skurrilen Masken und Outfits kaum erkennt.

Alle Bedenken, die man ob einer solchen Antihelden­liga stellen könnte, werden auch sogleich bestätigt: Denn in eine dieser Figuren schlüpft eine archaische böse Macht und mutiert zum ersten Riesengegner, den man bekämpfen muss. Die Geister, die ich rief ...

Es sind harte Zeiten für Bat- und Superman. Die Helden aus dem Hause DC-Comics, früher federführend, sind in der Nach-Nolan-Ära längst hinter die Konkurrenz der Marvel-Comics zurückgefallen – all die X-Men und Avengers, die die Kinos in den vergangenen Jahren gefüllt haben. Und weil man diese Wolverines, Thors, Iron- und Spider-Männer sowohl einzeln als auch gruppendynamisch herrlich verwerten kann, müssen jetzt auch die Einzelgänger von DC massentauglich werden.

Erst mal haben sich die DC-Haupt­heroen in „Superman v. Batman“ bekriegt, im kommenden Jahr sollen beide die „Justice League“ um Superhelden wie Wonder Woman, The Flash und Aquaman anführen. Und in „Suicide Squad“ bekommt der erneut von Ben Affleck verkörperte Batman just Konkurrenz von all denen, die er ins Kittchen gebracht hat.

Ist es Eifersucht? Will Smith zieht über Jared Leto her

Dieses Selbstmordkommando ist kaum kaschiert eine Art Anti-Avengers-Armada. Aber ach! Was Marvel hervorragend gelingt, nämlich echte Figuren zu kreieren, denen man gern im Einzeln folgt wie wenn sie sich bekabbeln – das schafft DC und das zuständige Warner-Filmstudio in keiner Weise.

Der Schlagabtausch Superman gegen Batman, als Highlight des Kinojahres beworben, erwies sich als Superflop. Der wird nun aber noch einmal unterboten von diesem Machwerk: das Schlimmste vom Schlimmsten. Und das muss einem auch erst mal gelingen, wenn man dabei einen Spitzenstar wie Will Smith einbindet.

Aber DC und Warner, sie sind unübersehbar nur am „Branding“, sprich: an ihrer eigenen Marke interessiert – und nicht an ihren Figuren. Die Stars werden hier nicht nur allein, sondern völlig im Stich gelassen. Ihre Figuren werden aufwendig eingeführt und bleiben dann doch eindimensional, wenn nicht reine Staffage. Auch die Action ist sichtlich am Computerreißbrett entstanden und beliebig austauschbar.

Aus dem Gros der bösen Guten sticht immerhin Margot Robbie heraus. Im aktuellen „Tarzan“-Film agiert sie als Jane noch so schlaff wie eine hängende Liane, aber als durchgeknallte Harley Quinn mit weißblonden Girlie-Zöpfen, Kaugummi im Mund und Baseballschläger in der Hand stiehlt sie allen Männern, Will Smith allen voran, die Show. Nur Jared Leto als ihr Liebhaber Joker ist ähnlich präsent – und reicht sogar an Heath Ledgers Performance im alten „Batman“-Film heran.

Ausgerechnet über diesen Leto aber hat sich Will Smith – ist es Eifersucht? – lautstark beklagt, dass er unerträglich sei (er hat auch schlimmere Ausdrücke benutzt), und das sagt einiges über die Stimmung, die bei den Dreharbeiten geherrscht haben muss. Leto wiederum hat sich beklagt, dass all die Szenen mit ihm, die rausgeschnitten wurden, einen ganzen Film füllen würden. Das sagt wiederum eine Menge darüber, wie kopflos der Film offensichtlich produziert worden ist.

Es gibt eindeutig zu viele Comicfilme im Kino. Weil die großen Studios sich nichts mehr trauen und nur noch auf Bewährtes setzen. In dieser Hinsicht immerhin muss man „Suicide Squad“ dankbar sein. Er fällt weit hinter die Originale zurück, denen er hinterherhechelt. Und er ramponiert nicht nur die Marke DC empfindlich, sondern irgendwie das ganze Comickino.