Kultur

Wahl des Thomaskantors stößt auf Kritik

Gotthold Schwarz wird ins Amt des Thomaskantors eingeführt

Die Stadt Leipzig hat ihren 17. Thomaskantor nach dem Komponisten Johann Sebastian Bach (1685–1750). An ein neues Gesicht müssen sich die Knaben des berühmten Thomanerchors allerdings nicht gewöhnen. Den Taktstock hält künftig der Dirigent Gotthold Schwarz in der Hand, der bereits seit 1979 als Stimmbildner bei den Thomanern tätig ist und nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Georg Christoph Biller Anfang 2015 auch die Interimsleitung des Chores übernahm. Am Sonnabend wird Schwarz offiziell ins Amt eingeführt. Es ist der Abschluss einer mehr als einjährigen Suche nach einem neuen Leiter für den über 800 Jahre alten Knabenchor. Dabei war Schwarz aufgrund seines Alters und seiner Position als Vertreter eigentlich gar nicht im Gespräch.

Für die Suche nach einem neuen Thomaskantor hatte die Stadt ein kompliziertes Verfahren angestoßen. Eine Auswahl- und eine Findungskommission wurden eingesetzt, an denen Vertreter von Parteien, Kulturinstitutionen und der Kirche beteiligt waren. Das Ziel war der größtmögliche Konsens. Vier Kandidaten wurden zu Probewochen eingeladen, doch keiner konnte die Findungskommission vollends überzeugen. Überraschend wurde das Verfahren im Mai einstimmig beendet und Gotthold Schwarz für das Amt vorgeschlagen. Der Stadtrat bestätigte die Wahl im Juni.

An der fachlichen Eignung des 64-Jährigen besteht in der Musikwelt und in der Stadt kaum ein Zweifel, doch das Verfahren hinterlässt einige Fragezeichen. Von der unerwarteten Entscheidung vor den Kopf gestoßen fühlen sich vor allem die vier geladenen Kandidaten. Öffentlich zu dem Ausgang des Verfahrens äußern möchten sich die meisten nicht, zum Teil mit dem Hinweis auf die „Würde des Amtes“ des Thomaskantors. Nur der 51-jährige Dresdner Dirigent Matthias Jung scheut keine Kritik. Seiner Ansicht nach hat das Auswahlverfahren den Bewerbern und auch dem Ansehen der Stadt geschadet.