Kultur

Nicht ein Mensch, eine Maus betritt zuerst den Mond

Mit seinen Bildergeschichten begeistert der Hamburger Illustrator Torben Kuhlmann nicht nur Kinder

Eine Maus auf dem Mond. Sie verlässt die Raumkapsel und hüpft mit ungeahnter Leichtigkeit über die Mondoberfläche. Mit „Armstrong“ hat der Zeichner und Geschichtenerzähler Torben Kuhlmann sein drittes Buch veröffentlicht, das sich nach seinem viel gerühmten Erstling „Lindbergh“ wieder dem Wagemut und Erfindungsreichtum einer namenlosen Maus widmet. In seinem Debüt ging es 2014 um eine der Not geschuldeten Auswanderung von Hamburg nach New York. Dafür konstruierte das technisch versierte Nagetier ein Flugzeug, doch im neuen Buch betätigt sich die Maus in den 50er-Jahren gar als Weltraumpionier. Während ihre Artgenossen glauben, dass der Mond aus reinem Käse besteht, versucht die kluge Maus, diese Frage wissenschaftlich zu klären: Im National Air and Space Museum in Washington macht sie sich mit der Geschichte der Luft- und Raumfahrt vertraut, besucht Vorlesungen und Bi­bliotheken, experimentiert mit Katapult und Raketenantrieben. Da sie sich das notwendige Equipment dreist zusammenklaut, gerät sie bald ins Fadenkreuz der menschlichen Ermittler.

Stärker noch als in seinen beiden vorangegangenen Büchern setzt Kuhlmann auf erzählerische Passagen, wobei er eine ganz eigene Form von Text-Bild-Synthese findet. Dabei illustrieren die Zeichnungen nicht nur die Handlung, sie treiben selbst erzählerisch voran. Charakteristisch sind die feinen, mit einer Fülle liebevoller Details versehenen Tusch- und Aquarellbilder, denen ein nostalgischer Charme eigen ist. Während Kinder von der spannenden Geschichte fasziniert sind, schmunzeln Erwachsene über den Erfindungsreichtum, mit der die kleine Maus sich menschlicher Erkenntnisse bedient, um sie ihrem großen Ziel nutzbar zu machen. Da wird ein Rollschuh zum Raketenschlitten, ein Wecker dient als Raumkapsel und ein Autoscheinwerfer als Mondfähre. Und als das kleine Tier schließlich die Mondoberfläche betritt, geschieht das unter dem nur leicht abgewandelten Motto: „Ein kleiner Schritt für eine Maus“. Das Motiv seiner Geschichten, hat Kuhlmann einmal gesagt, sei es, von Kleinen zu erzählen, die Großes bewirken.

Dass die Maus schon Jahre vor dem Menschen Armstrong auf dem Mond gewesen ist, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Am Ende des Buches heißt es: „Natürlich gab es ein paar Menschen, die von der Mondmaus wussten. Und sie gaben ihr den Namen Armstrong. Sie hieß also genau gleich wie der erste Mensch auf dem Mond. So war sichergestellt, dass niemand aus Versehen das Geheimnis verraten konnte. Wann immer die Rede vom ersten Besucher auf dem Mond war, hieß es einfach nur: Das war Armstrong.“