Kultur

Frankfurt als Zentrum für moderne Gestaltung

Berliner Bauhaus-Archiv schaut auf die Moderne am Main

Anfang der 20er-Jahre wurde aus der Zusammenlegung der Städtischen Kunstgewerbeschule und des Städelschen Kunstinstituts die Frankfurter Kunstschule gegründet. Als der Kunsthistoriker Fritz Wichert ab 1923 den Aufbau der neuen Schule und die Entwicklung der Lerninhalte in Angriff nahm, konnte er nicht ahnen, auf welch fruchtbaren Boden seine Ideen fallen sollten. Frankfurt wollte sich neu erfinden und dies ganz im Sinne des Neuen Bauens tun. Ab Ende 1925 bis 1930 entstanden unter der Federführung des Stadtbaurates Ernst May zur Bekämpfung der Wohnungsnot insgesamt 12.000 Wohnungen, städtische Verwaltungsgebäude und soziale Einrichtungen, die später als „Neues Frankfurt“ in die Wohnungsbaugeschichte eingingen. Etliche davon waren typisierte Siedlungen aus industriell gefertigten Bauteilen, die ganz einer funktionalen Ästhetik folgten.

Im Berliner Bauhaus-Archiv, dessen Bestand nicht nur alles rund um das Bauhaus und das New Bauhaus umfasst, sondern auch Objekte aus vergleichbaren Architektur- und Designbewegungen der Moderne, gibt eine kleine konzen­trierte Kabinettausstellung Einblick in das Wirken der Frankfurter Kunstschule, ihre enge Verzahnung auch mit dem Bauhaus. Schon vor Gründung der Schule stand Fritz Wichert in engem Kontakt zu Walter Gropius und ließ sich von ihm beraten. Als das Bauhaus 1925 von Weimar nach Dessau übersiedelte, war Frankfurt kurzfristig als alternativer Standort im Gespräch. Schließlich gingen einige Bauhauslehrer an die Frankfurter Kunstschule, darunter Adolf Meyer, Josef Hartwig und Christian Dell.

Fotografien zeigen die Wohnungssiedlungen im Stil des Neuen Bauens, darunter auch die Siedlung „Am Lindenbaum“ von Walter Gropius. Eine Abbildung der legendären Frankfurter Küche der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, ein Vorläufer der modernen Einbauküche, veranschaulicht den Geist jener Zeit, jede Handlung zu rationalisieren und in funktionale Raumgestaltung zu übersetzen. Ein wichtiges Organ für die gestalterische Bewegung in Frankfurt war die Zeitschrift „Das neue Frankfurt. Monatsschrift für Fragen der Großstadtgestaltung“, die ab 1926 erschien. Mitherausgeber war bald auch Fritz Wichert, der sie als Werbeplattform für seine Kunstschule nutzte. Für die Gestaltung war Willi Baumeister verantwortlich, der in der Frankfurter Kunstschule gleichzeitig die Abteilung für Werbegrafik und Typografie leitete.

Sehr erfolgreich konnte sich auch die Metallwerkstatt unter Leitung von Christian Dell platzieren, die moderne Lampen entwarf und damit in die industrielle Produktion ging. Zwei dieser Prototypen demonstrieren das nüchterne Design. Die Textilklasse unter Leitung von Richard Lisker arbeitete eng mit ortsansässigen Firmen wie der I.G. Farben und den Farbwerken Höchst zusammen. In der Kunstschule entwickelte Musterentwürfe gingen hier in Produktion. Die Exponate zeigen Stoffmuster, Fadenproben, die Vorgehensweise beim Stoffdruck sowie den Entwurf für eine bestickte Decke und dessen Realisierung als Wandbehang, beides von Anne Wever, der Leiterin der Werkstatt für Weberei. Unter dem Nationalsozialismus wurde die Kunstschule aufgelöst, die Lehrer entlassen.

Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstr. 14
Mi–Mo 10–17 Uhr. Bis 27. Februar 2017.