Kultur

Mit den Zugvögeln auf der Reise Richtung Afrika

Die Welt ist schön. Aus der Perspektive von Jungstorch Borni betrachtet, der sich mit seinen Geschwistern und Tausenden von Artgenossen in diesen Tagen wieder auf die 10.000 Kilometer lange Reise Richtung Afrika macht, ist sie gar atemberaubend schön. Mit bis zu 70 ­Stundenkilometern, in großer Höhe immer über Land fliegend und geschickt die Thermik nutzend, überqueren die Vögel auf ihrer Westroute Süddeutschland und die Schweiz, dann die Camargue und die Straße von Gibraltar, bis sie endlich am Rande der Serengeti ihr Winterlager erreichen. Und wir sind, sozusagen auf Augenhöhe, dabei – weil eine Helikopter-Kamera sie auf ihrer abenteuerlichen Reise begleitet, gern auch einmal in Slow-Motion oder im Zeitraffer.

Die fantastischen Luftbilder des sonnigen Spätsommers wären Grund genug, die ZDF-Dokumentation von Petra Höfer und Freddie Röckenhaus, die Arte als Erstausstrahlung zeigt, unbedingt zu empfehlen. Die Filmemacher sind dazu noch im Dienste der Wissenschaft unterwegs wie ihre Protagonisten auch: Störche, Kraniche, Graugänse, Blau- und Rotkehlchen, um nur einige zu nennen. Gemeinsam dokumentieren sie, was die Ornithologen des Max-Planck-Institut in Radolfzell am Bodensee in ihrem ambitionierten Projekt herauszufinden versuchen: Warum nehmen Zugvögel Jahr für Jahr die Strapazen des langen Fluges auf sich? Wie finden sie ihr Ziel?

Dazu werden Zugvögel fast jeder Art in hoher Zahl „besendet“: Superleichte Hightech-Microsender zeichnen jede ihrer Flugbewegungen als GPS-Koordinaten auf und melden dazu Flughöhe, Luftwiderstand sowie Energieverbrauch. Damit erhoffen sich die Wissenschaftler, Rückschlüsse auf Windverhältnisse, Unwetter, drohende Erdbeben oder Riesenheuschreckenplagen ziehen zu können. Änderungen der Flugrouten haben immer einen Grund.

„Zugvögel“, heute, 20.15 Uhr, Arte