Kultur

Polaroids, Kohle und Malerei

Die Berliner Galerien gehen in die Sommerpause. Drei Ausstellungen, die man noch besuchen kann

Der August ist der klassische Ferienmonat, Vernissagen gibt es kaum, die meisten Galerien machen Urlaub. Drei Ausstellungen, die Sie unbedingt noch sehen sollten.

The Impossible Project: Eine Schlange bildet sich in der Potsdamer Straße Nummer 87. Man könnte meinen, es gäbe etwas umsonst – und so ist es auch: Liebe, die Ausstellung "Berlin is for Lovers" in den Büroräumen von The Impossible Project. Es ist das Unternehmen, das sich dem Sofortbild verschrieben hat. Das 2008 die letzte Polaroid-Fabrik in den Niederlanden aufgekauft hat, um Unmögliches möglich zu machen: um die Polaroid-Kultur am Leben zu erhalten. Nach wie vor hat sie viele Bewunderer. Polaroid, Berlin und die Liebe, das scheint eine unschlagbare Kombination zu sein. Berlin, vor allem das junge Berlin, ist auf den Beinen für ein kleines Stück Verliebtheit, im wahrsten Sinne des Wortes, denn viel Platz bietet das beliebte Fotoquadrat ja nicht. Genug aber, um großes Aufsehen zu erregen.

Die fünf Fotografen Matt Lambert, Jessica Wolfelsperger, Oliver Mark, Katja Sonnewend und Pepper Levain präsentieren ihre Auffassung der Berliner Liebenden auf Leinwänden. Je ein übergroßes Motiv ist auf der einen Seite zu sehen, auf der anderen mehrere im originalen Polaroid-Format. Mal auf weißem, mal auf schwarzem Hintergrund und immer mit dem typisch nostalgischen Touch: in schwarz-weißen, braunen, gelblichen und blau-violetten Farbtönen. Die Liebe hat viele Gesichter, die Liebe in Berlin oder auch die Liebenden in Berlin. Entrückte Momentaufnahmen dieses einen Gefühls. Doch wer nach Sentimentalem und Sehnsuchtsvollem sucht, wird nicht fündig. Verlangen bestimmt die Motive, allerhand Körperkontakt wird eingefangen, oft in grotesken Stellungen, viel Nacktheit ist zu sehen. Die Zärtlichkeit versteckt sich in den Bildern. Es sind weniger Pärchen-Polaroids, sondern mehr Posen-Polaroids. Authentisch-erotische Momente, die ehrlich wirken und auf jeden Fall Aufmerksamkeit wecken. Doch fehlt der Zauber der ersten Berührung, die Schmetterlinge im Bauch. Berlins Liebende zeigen sich lieber ein wenig anders.

Potsdamer Str. 87, Mo, Fr 14.30–18.30 Uhr, Sa 14-18.30. Bis 26. 8.

Galerie Capitain Petzel

Schon von draußen ziehen einen die großformatigen Gemälde des Wiener Malers Tobias Pils, Jahrgang 1971, magisch an. Figuren glaubt man zu erkennen, manchmal nicht mehr als tanzende Strichmännchen. Florale Strukturen und Andeutungen von Körperteilen mäandern durch die Bilder, Vögel und mitunter einfach nur riesengroße Augen. Darüber ziehen sich abstrakte Strukturen: mal ein schwarzes Quadrat, mal ein großes "X", das alles auszustreichen scheint, mal schwarze und weiße Strahlen, die wie Scheinwerferlicht und dessen Schatten wirken. Die Malerei von Tobias Pils folgt eigenen Gesetzen, findet ihr Vokabular in der Logik von Farben und Formen, Linien und Licht. Dabei ist die Farbigkeit in höchstem Maße reduziert: Weiß, Schwarz und Grau in allen Schattierungen sind die Grundtöne, mitunter blitzt das Ocker der rohen Leinwand durch. Das war's. "Malen ist für mich Sprachersatz", hat Pils einmal gesagt. Das ABC dieser malerischen Sprache besteht aus Flächen, Schleifen, Spiralen, unregelmäßige Linien, Farbklecksen und Schlieren. Das ganze Repertoire der Klassischen Moderne taucht auf in den Gemälden und Papierarbeiten: Pablo Picasso, Joan Miró, Henri Matisse.

Karl-Marx-Allee 45, Di–Sa 11-18 Uhr. Bis 13.8.

Galerie Michael Fuchs: Von weitem sieht es aus wie ein Ornament mit Arabesken. Tritt man näher, sieht man mathematische Formeln, die in feiner, weißer Schrift überall eingearbeitet sind. Der Berliner Künstler Timo Nasseri mit persischen Wurzeln geht in seiner Zeichnung der islamischen Kunst auf den Grund. Seine Arbeit ist Teil der Schau "In Correspondence with the Drawing" im dritten Stock der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule. Zehn Künstler sind hier versammelt, die sich dem Papier verschrieben haben. Mit Fineliner, Kohle, Kugelschreiber, ja auch Fäden, rücken sie dem Papier zu Leibe. Der 1981 im japanischen Hokkaido geborene Keita Mori fixiert mit einer Klebepistole diese Fäden auf Papier, zieht sie aber auch durch den Raum, an Fenstern vorbei und an Ecken. So wird die Zeichnung zur Installation. Caroline Kryzecki (1979) bearbeitet fast manisch dickes Papier mit Lineal und Kugelschreiber. Der Abdruck im Material ist so stark, dass der Eindruck eines Reliefs entsteht.

Auguststr. 11–13. Di-Fr 10–18 Uhr, Sa 11–18 Uhr. Bis 13. August

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