Kultur

Laut und ausgelassen

Die Kondition stimmt: Kurz nach ihrem Auftritt in Wacken spielt Ministry im Huxleys in Neukölln

Kurz nach 20 Uhr werden die ersten Besucher im Huxleys ungeduldig. Manch einer ruft Unverständliches in Richtung Bühne, andere pfeifen laut auf. Das akademische Viertel zählt an diesem Sonntagabend scheinbar nicht. Gewartet wird auf Ministry, eine Metal Band aus Chicago.

In den 80er-Jahren gegründet, wurde die Band mit Songs wie „Stigmata“ und „So What“ bekannt. Nach einer fünfjährigen Auszeit kehrte die Band um Frontmann Al Jourgensen 2012 mit dem Album „Relapse“ zurück. Überschattet wurde die Arbeit am folgenden Album „From Beer To Eternity“ durch den Tod des Gitarristen Mike Scaccia. Er verstarb kurz nach einem Bühnenauftritt und nur wenige Tage nach der Produktion der ersten Songentwürfe. Das Album wurde dennoch fertiggestellt und 2013 veröffentlicht. Vergangenen Freitag noch standen sie in Wacken auf der Bühne, nun spielen sie im gut besuchten Huxleys weiter.

Stetig versucht die Band, sich selbst zu übertreffen

Mit „Hail to His Majesty“ legen Ministry gleich zu Beginn das Thema des Abends fest. Es soll laut und ausgelassen werden, wie es sich für Metal gehört. Aber das allein reicht Ministry nicht. Stetig versucht die Band, sich selbst zu übertreffen. Jeder Song erscheint lauter als der vorherige, das Publikum wirkt mit jedem Akkord motivierter. Aus einem anfänglichen Mitwippen zum Takt des Schlagzeugs entwickelt sich der obligatorische, wenn auch klein gehaltene Moshpit. Auch Frontmann Al Jourgensen bewegt sich von einer Bühnenhälfte zur anderen, das Headbangen überlässt er aber lieber den Gitarristen und dem Publikum. Der 57-Jährige wippt lieber mit dem Finger zum Takt oder bejaht seine Aussagen mit einem Kopfnicken.

Ministry spielt aber nicht den üblichen Krach, zumindest nicht nur. Dass sie gern mit anderen Musikrichtungen experimentiert, zeigt der Einfluss elektronischer Musik, der in Songs wie „Stigmata“ zu finden ist. Er rundet die dröhnenden Gitarren ab. Schon früher griffen Ministry in ihrer Musik oftmals politische Themen auf. So kritisiert das Album „The Last Sucker“ die Politik des ehemaligen US- Präsidenten George W. Bush. Dieses Mal laufen im Hintergrund Ausschnitte aus Nachrichtensendungen. Man sieht die Familie von Alton Sterling, ein Afroamerikaner, der im Juli von Polizisten erschossen wurde. Immer wieder zeigt der Beamer Ausschnitte von Videos des „Islamischen Staates“. Zu „Punch in the Face“ erscheinen die Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton auf der Leinwand. Während Al Jourgensen die Worte „Punch in the Face“ wiederholt in das Mikrofon schreit, bekommt Donald Trump im Hintergrund mit einem Boxhandschuh einen Schlag ins Gesicht.

In der Zugabe ruft er während „Khyber Pass“, einem Song über den Terroristen Osama bin Laden: „Nicht jeder teilt diese Meinung. Aber nicht alle Migranten sind Terroristen.“ Das Publikum scheint diese Meinung zu teilen. Als Zeichen der Zustimmung zeigen die Besucher die Pommesgabel, das für die Metalszene typische Handzeichen. Das Ende des Konzerts kommt für die meisten ziemlich abrupt. Der Saal leert sich nur langsam. Viele klatschen in der Hoffnung, noch eine Zugabe zu hören. So endet das Konzert ähnlich, wie es angefangen hat: mit lauten Pfiffen und Zurufen.