Kultur

Maler der Monster und Eremiten war ein frommer Mann

Vor 500 Jahren wurde Hieronymus Bosch beigesetzt

Auch 500 Jahre nach seinem Tod bleibt sein Werk faszinierend und geheimnisvoll. An Hieronymus van Aken, der sich Bosch nannte, entzündet sich bis heute die Fantasie: Er malte schreckliche Monster und höllische Qualen. Doch nach allem, was die Forschung herausgefunden hat, war Hieronymus Bosch trotz seiner Horrorvisionen ein frommer und angesehener Mann. Am 9. August 1516 wurde er in der Sint-Jans-Kathedrale seiner niederländischen Heimatstadt ‘s-Hertogenbosch beigesetzt.

Im Bosch-Jahr 2016, das den Maler mit einer großen Ausstellung in Madrid und zuvor in ‘s-Hertogenbosch würdigt, liegt seine Biografie noch großteils im Dunkeln: Das Datum seiner Beisetzung gehört zu den wenigen verbürgten Fakten. Wann er geboren wurde, ist unbekannt, vermutlich zwischen 1450 und 1456. Das Wenige, was man über sein Leben weiß, ist schnell erzählt: Der Künstler gehörte zur Malerfamilie van Aken, die ursprünglich aus Aachen stammte, und wuchs in Den Bosch auf. Offenbar erlernte er – wie sein ältester Bruder ­Goessen – das Malen in der väterlichen Werkstatt. Ob Hieronymus die Kunst Italiens oder der Niederländer in Antwerpen oder Gent kannte, ob er überhaupt jemals eine Reise unternahm, weiß man nicht. 1481 heiratete er die begüterte Aleid van de Meervenne, bewohnte mit ihr ein Haus am Tuchmarkt in Den Bosch und gehörte als wohlhabender und geschätzter Meister zu den Honoratioren der Stadt.

Als Hauptmerkmal der Kunst Boschs galt jedoch früh das Groteske, Hybride oder Monströse. In seinen berühmtesten Bildern „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ (um 1502), „Garten der Lüste“ (um 1503) und „Das Jüngste Gericht“ (um 1506) wimmelt es von dämonischen Mischwesen, halb Mensch, halb Tier oder Ding, die die zur Hölle Verdammten auf grausamste Weise quälen. Für seine Monster dürfte Bosch auf Darstellungen mittelalterlicher „Bestiarien“ zurückgegriffen haben. Das waren allegorische Tierbücher, die der moralisch-religiösen Belehrung dienten. Konsequent entwickelte Bosch seine „Marke“ des Schauderns. Dabei waren seine Bilder von Höllen und Eremiten weniger für Kirchen, als vielmehr zur Erbauung vermögender Stifter gedacht.