Kultur

Der schmale Grat zwischen Vorsicht und Panikmache

Bei Open-Air-Veranstaltungen wird Sicherheit groß geschrieben

Sorgfältig wird jeder „Metalhead“ am Eingang kontrolliert. Mitarbeiter blicken sogar unter die Mützen der Besucher. Schon am Abend vor dem offiziellen Start des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt in Wacken ist der Ansturm groß. Der Einlass geht aber zügig voran. Denn dieses Jahr herrscht auf dem Festivalgelände Taschenverbot. Ein Däne klagt, es sei umständlich, so auf ein Festival zu gehen. Andere wissen sich zu helfen: Sie haben die erlaubten Gürteltaschen um die Hüften. Sie finden das Verbot völlig in Ordnung: „Sicherheit geht eben vor!“

Sicherheit – nach den Gewalttaten der vergangenen Wochen in Nizza, Würzburg, München, Ansbach und Rouen hat dies eine neue Bedeutung bekommen. Gerade bei Musikfestivals und Open-Air-Events. Sie haben auch in der Politik erneut eine Debatte ausgelöst. Bereits am Tag nach dem Anschlag in Ansbach trafen sich die Innenminister von Bund und Ländern und verständigten sich auf eine erhöhte Polizeipräsenz bei Veranstaltungen. Zudem sollen Veranstalter prüfen, wie sie Konzepte optimieren und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen ergreifen können.

Viele Städte in Frankreich sagten nach den Terroranschlägen im Land ihre Festivals und Sommerveranstaltungen ab. In Deutschland ist dies weniger der Fall – doch um das Thema Sicherheit kommt wohl kaum ein Veranstalter herum. Die Organisatoren des Wacken Open Air in Schleswig-Holstein reagierten mit einem Rucksack- und Taschenverbot. Denn in einem Rucksack war die Bombe in Ansbach versteckt. Der Täter hatte Ermittlern zufolge versucht, auf das Konzertgelände zu gelangen – hatte aber zum Glück keine Eintrittskarte.

Viele Klassikfestivals und Theaterfestspiele machen es ähnlich. Zum ersten Mal in der Geschichte der Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth war das Festspielhaus weiträumig eingezäunt. Auch bei den Freilichtspielen in Schwäbisch Hall wurden die Kontrollen verschärft. Die Veranstalter wissen: Der Grad zwischen Sicherheitsgefühl und Panikmache ist schmal. Das Besuchererlebnis durch Sicherheitsvorkehrungen beeinträchtigen will keiner.

„Grundsätzlich gilt: Wir sind aufmerksamer denn je“, sagt eine Sprecherin der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. „Aber uns ist wichtig, dass wir keine Kultur des grundsätzlichen Misstrauens gegenüber unseren Besuchern pflegen wollen. Dies wäre genauso wie flächendeckender Polizeischutz eine Beschneidung der freiheitlichen Rechte unserer Besucher.“