Comic-Klassiker

Besuch aus Entenhausen: Die Ducks machen Berlin unsicher

Das neue Micky-Maus-Heft spielt in Berlin. Eine schöne Werbung für die Stadt. Auch wenn dabei fast die Nofretete zu Bruch geht.

Das darf auch nicht jeder: Bei ihrer Stippvisite in Berlin fährt Donald Duck mit seinen Neffen Tick, Trick und Track mit dem Auto durchs Brandenburger Tor

Das darf auch nicht jeder: Bei ihrer Stippvisite in Berlin fährt Donald Duck mit seinen Neffen Tick, Trick und Track mit dem Auto durchs Brandenburger Tor

Foto: Egmont Ehapa / Disney / BM

Hoher Besuch in Berlin. Nein, hier ist mal nicht von hohen Staatsmännern die Rede. Sondern von geballter Erpel-Prominenz: Donald Duck ist mit seinen Neffen Tick, Trick und Track in der deutschen Hauptstadt. Und zwar im neuen „Micky Maus Magazin“ (Nr. 32/33/2016), das ab heute im Handel ist. Und wie das so ist bei VIP-Touristen, dürfen sie auch Sachen machen, die dem gewöhnlichen Gast verboten sind.

So fährt Donald wie selbstverständlich mit dem Auto durchs Brandenburger Tor. Darf sich nachts auf der Museumsinsel austoben. Und kraxelt am Ende mit Micky Maus auf den Funkturm. Wenn schon Berlin, dann muss man das Ganze auch auf die Spitze treiben.

Die Helden aus den Disney-Comicheften sind schon seit einigen Ausgaben nicht im fiktiven Entenhausen zugange. Donald und seine Neffen haben in gewisser Weise eine Europatournee hinter sich. Seit Heft 27 touren sie durch Paris, Schottland, Italien und Norwegen, um das „Schlaue Buch“ des Fähnlein Fieselschweif vor- und auszustellen: jenes berühmte, gar nicht so dicke Allwissenslexikon, in dem Tick, Trick und Track all ihre Lebensweisheiten in Sekundenschnelle nachblättern. Der krönende Abschluss aber ist eben nicht der Louvre in Paris (wo doch so viele Disney-Trickfilme ihre Europasehnsucht ausgelebt haben), sondern: das Alte Museum auf der Museumsinsel.

Das hört der Berliner gerne. Über zwölf Millionen Touristen kommen jährlich in die Stadt. Und die Entenhausener bestätigen und bekräftigen diesen Beliebtheitstrend nur. Auch Michael Eissenhauer, den Generaldirektor der Staatlichen Museen, dürfte es freuen. Auch wenn Donald von einem Direktor des Alten Museums begrüßt wird, den es so ja gar nicht gibt und der auch keine Ähnlichkeit mit Eissenhauer hat. Völlig egal: Das Micky-Maus-Abenteuer ist, mit all seinen Sprechblasen und Har!-, Argh! und Vrooom!-Lautmalereien, beste Werbung für die Museumsinsel, die gerade komplett modernisiert wird.

Da mag man es billigend in Kauf nehmen, wenn auch die Disney-Schurken Kater Karlo und das Schwarze Phantom hierherkommen, um in das altehrwürdige Museum einzubrechen. Und dass Donald, verstärkt durch Micky Maus, auf der Jagd nach den Bösewichtern mit einem Schwebeboard wie aus „Zurück in die Zukunft 2“ durch das Alte und gleich auch noch durch das Neue Museum flitzt. Und die berühmte Nofretete dabei fast zu Boden und zu Bruch geht.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Ducks auf Stippvisite in Berlin sind. Das war schon 2011 im Lustigen Taschenbuch Nr. 421 so, die James-Bond-Parodie „Mission in Berlin“ mit Donald als Agent DoppelDuck. Und ein Jahr später in gleich acht Micky-Maus-Heftchen, als die Erpel durch Deutschland fuhren. Damals machten sie auch mit der typisch berlinischen Ruppigkeit Bekanntschaft, wenn sie mit Sprüchen wie „Geht’s heute noch weiter“ angerempelt wurden.

Und die Currywurst, die sie damals aßen, mussten sie gleich wieder ausspeien. Diesmal verläuft der Berlin-Aufenthalt in dieser Hinsicht angenehmer. Kein Berliner meckert hier herum. Und am Ende gibt es zur Belohnung wieder Currywurst. Und Brezeln. Etwaige Erpelmagenverstimmungen sind nicht vermerkt.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins: Berlin muss einen Eintrag in der Duckipedia, dem Disney-Ableger von Wikipedia, erhalten. Erst dann gehört die Stadt wirklich zum Micky-Maus-Universum.