Konzert

The BossHoss bemüht um Begeisterung der Fans

A Cowboy’s Work Is Never Done: Die Berliner Country-Cowboys arbeiten an diesem Abend hart. Und dann ging auch noch die Gitarre kaputt.

The BossHoss auf der Bühne

The BossHoss auf der Bühne

Foto: dpa

The BossHoss lässt sich an diesem Abend Zeit. Das Publikum, mit Hüten auf dem Haupt, ist ungeduldig. Sie raunen, klatschen, pfeifen – und warten. Die einen meckern, weil sich ,ach so große‘ Menschen vor sie stellen, die anderen, weil Handys gezückt werden, um Fotos zu machen. Dann endlich: Die „Cowboys“ betreten die Bühne. Mit Hüten, Sonnenbrillen und Jeanshemden ist die Zitadelle zur Country-Hochburg erklärt worden. Fehlt nur nach das Wiehern der edlen Rösser.

„A Cowboy’s Work Is Never Done“: Synthetisch, tiefe Klänge läuten den Beginn des Konzerts ein. An diesem Abend entsteht tatsächlich der Eindruck, die Arbeit der Band sei niemals getan, müssen sie sich doch konstant um die Begeisterung des Publikums bemühen, inklusive Stagediving und Headbanging. Da können auch die drei maskierten Trommler, später Sombreros tragende Bläser, mit ihrer Choreografie nicht ganz davon ablenken.

Schunkeln, wiegen, brummeln

Erst Im Laufe des Abends, als die Hits „Jolene“, „Dos Bros“ und „Don’t gimme that“ erklingen, fangen die Zuhörer an, sich den Country-Rhythmen hinzugeben: Sie schunkeln, wiegen und brummeln. Ganz männlich – so wie die siebenköpfige Band und ihre Mitspieler. Vier Schritte nach rechts, vier Schritte nach links zu den Zeilen „She swings it, she swangs it - She swings it then she swangs it; She brings it, she brangs it“ – das Publikum ist jetzt warm. In der einen Hand das Bier, die andere lässig in die Jeans gesteckt. Und dann hält Frontmann Sascha Vollmer seine Gitarre in die Luft und lobt den Einsatz des Publikums: „Berlin, Spandau, Mississippi: I like it like that.“

„My Personal Song“, das Publikum singt vom ersten Ton an die eingängige Hauptmelodie des Songs mit. Typisch BossHoss, in markant männlicher Bass-Lage. Mittlerweile sind die Gitarren auch deutlicher zu erkennen, der typische Mix der Band aus Country, Rock und Blues ist zu hören. Das unaufgeregte Bühnenbild aus Blechwänden und flackernde Lichter im Hintergrund lassen Lagerfeuerstimmung aufkommen.

Von coolen Cowboys

Alec Völkel alias „Boss Burns“ und Sascha Vollmer alias „Hoss Power“ sind die Gesichter der Band. Erzähler sind sie wahrlich nicht, müssen sie aber auch nicht. Emotionale Statements bei den coolen Cowboys wären fehl am Platz. Eigentlich war The BossHoss mal als ein Spaß unter Freunden gedacht. Als sich die Band Anfang 2004 in Berlin gründete, wollte sie mit lässigen Country- und Skiffle-Versionen großer Pophits die Partys von Bekannten aufmischen. Doch dann verkaufte sich ihr Debütalbum „Internashville Urban Hymns“ allein in Deutschland über 250.000 Mal. Seither brachte die Band es auf nahezu zwei Millionen verkaufte Tonträger.

Die TV-Engagements von Völkel und Vollmer für drei Staffeln „The Voice of Germany“ und 2016 bei „Sing meinen Song“ haben der Karriere von The BossHoss einen zusätzlichen Schub verpasst. Das jüngste Album „Dos Bros“ erreichte Platz 1 der Albumcharts in Deutschland und Österreich. Und auch die Zitadelle ist an diesem Abend ausverkauft. Obwohl die Frontmänner Sascha Vollmer und Alec Völkel sich wirklich bemühen, wirkt der Abend teilweise erschöpft. Als die Gitarre von Vollmer kaputtgeht, strahlen die sonst so selbstsicheren Frontmänner kurzzeitig eine gewisse Verlorenheit aus. Das Publikum schwingt erst nach einiger Zeit locker seine Hüften. Der Rock ’n’ Roll war an diesem Abend harte Arbeit.