Kultur

Wagner-Festspiele beginnen leiser

Eine rundum schwierige Saison: In Bayreuth wird zur Eröffnung am Montag „Parsifal“ aufgeführt. Auf den roten Teppich wird verzichtet

Die Bayreuther Festspiele werden in diesem Jahr weniger pompös und sehr viel stiller starten. Die Premierenvorstellung der Oper „Parsifal“ am Montag sei den Opfern von München und ihren Angehörigen gewidmet, teilte die Festspielleitung am Sonntag mit. Verzichtet wird auf den roten Teppich und den Staatsempfang im Anschluss an die Premiere. Die Festspiele hatten dafür plädiert, dass die Stadt Bayreuth den roten Teppich absagt. „Alles andere würden wir als geschmacklos und völlig unpassend empfinden“, sagte Pressesprecher Peter Emmerich. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte auch den traditionellen Staatsempfang nach der Aufführung ab. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) und seine Frau sagten ihren Premierenbesuch ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit ihrem Mann Joachim Sauer eigentlich zu den Stammgästen auf dem Grünen Hügel gehört, hatte schon vor Wochen wissen lassen, dass sie dieses Jahr entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit aus terminlichen Gründen nicht zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele kommen wird. Die Aufführung der Neuinszenierung von Richard Wagners letzter Oper „Parsifal“ soll trotz aller aktuellen Ereignisse stattfinden. „Der ‚Parsifal‘ ist ein Werk, das eine Friedens- und Versöhnungsbotschaft enthält“, betonte Sprecher Emmerich. Regie führt Uwe Eric Laufenberg, Dirigent ist Hartmut Haenchen.

Schon vor den schrecklichen Ereignissen von München war klar, dass in Bayreuth in diesem Jahr vieles anders sein wird. Aus Angst, zu einem Ziel von Terroristen zu werden, war das Festspielhaus schon vor Wochen mit Zäunen gesichert worden. Wer es betreten will, braucht nach dem Sicherheitskonzept von Stadt und Polizei einen Sonderausweis. Diesen erhält nur, wer eine Einverständniserklärung unterschrieben hat, dass seine Daten von der Polizei überprüft werden. Auch Mitarbeiter der Festspiele wurden überprüft; die Polizei empfahl, einige von ihnen nicht in sicherheitsrelevanten Bereichen einzusetzen. Eine konkrete Gefahr sieht die Polizei aber nicht.

Bei all dem gerät in den Hintergrund, was in diesem Jahr auf der Bühne passiert – auch wenn das durchaus spannend werden könnte. Denn sowohl Regisseur als auch Dirigent wurden ausgetauscht. Skandalkünstler Jonathan Meese wurde gefeuert – angeblich, weil sein Konzept zu teuer war. Für ihn übernahm Laufenberg. Einen Zusammenhang zwischen der Angst vor Anschlägen und einer vermeintlich islamkritischen „Parsifal“-Inszenierung hatte Regisseur Laufenberg bestritten. Im „Parsifal“ gehe es um das Christentum, nicht um den Islam, hatte er im Interview betont.

Und Dirigent Andris Nelsons warf nur wenige Wochen vor der Premiere das Handtuch. Er gab keine wirkliche Begründung dafür, Beobachter glauben, er habe es mit Christian Thielemann, dem Musikdirektor der Festspiele, nicht ausgehalten. Nelsons Nachrücker Haenchen hatte nur wenige Tage Zeit, sich auf seine große Aufgabe einzustellen.

Der Orchestergraben im Bayreuther Festspielhaus, der berühmte „mystische Abgrund“, ist für den „Parsifal“-Dirigenten Hartmut Haenchen eine Herausforderung. „Der Dirigent hat sowieso immer den schlechtesten Platz – aber in Bayreuth ist es besonders schwierig“, sagte Haenchen. „In Bayreuth braucht man im Gegensatz zu anderen Opernhäusern wirklich Hilfe von außen, um zu erfahren, wie es im Saal klingt. Mein Assistent sitzt deshalb im Zuschauerraum und gibt mir telefonische Hinweise zum Klangbild und zur Balance.“

Das Orchester spielt im Festspielhaus verdeckt, der Klang entweicht nur indirekt in den Zuschauerraum. „Die berühmte Überdeckung des Grabens ist für meine Größe zu niedrig, und ich stoße bei meinen normalen Dirigierbewegungen oben an, muss mich also permanent in meinen Bewegungen umstellen.“ Und über sein Verhältnis zu Thielemann sagt Haenchen: „Ich höre, dass Herr Thielemann sehr oft in meinen Proben war. Wir sehen uns bei den nebeneinander liegenden Garderoben und pflegen kollegialen, freundlichen Kontakt.“