Kultur

Diesmal hat der Waldflüsterer den Tieren gelauscht

Mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ landete der Förster aus der Eifel einen Sensationserfolg. Nun wirft Waldflüsterer Peter Wohlleben einen Blick auf „Das Seelenleben der Tiere“ - und landet damit den Coup, gleich zwei Sachbücher ganz oben auf den Bestsellerlisten zu haben. Erneut mischt er wissenschaftliche Ergebnisse mit persönlichen Erfahrungen. Dass man Tieren ein dem Menschen vergleichbares Gefühlsleben zubilligen sollte, macht Wohlleben gleich am Anfang klar: „Daher gibt es nach meinem Verständnis keine zweierlei Arten von Trauer, Schmerz oder Liebe.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verletzung bei einem Schwein weniger schlimme Gefühle auslöse als beim Menschen, tendiere gegen null. Niemand könne beweisen, dass ein Nadelstich bei allen sieben Milliarden Erdenbewohnern das gleiche Empfinden erzeuge. Über die Intelligenz von Schweinen etwa sei schon so viel bekannt – in der Öffentlichkeit aber setze sich dieses Wissen nicht durch. „Ich vermute, es hängt mit der Verwendung von Schweinefleisch zusammen“, so Wohlleben. „Wenn jedem klar wäre, was für ein Wesen er da auf dem Teller hat, dann würde vielen der Appetit vergehen.“

Auch auf biologische Grundlagen geht der Förster ein: Er führt aus, warum es seiner Ansicht nach sinnlos ist, Arten in Schädlinge und Nützlinge einzuteilen. Und er erklärt, warum keineswegs jedes Insekt wechselwarm und jedes Säugetier gleichwarm ist. Der Leser erfährt dann, warum es kontraproduktiv sein kann, Rehe und Hirsche im Winter zu füttern. Das Verdauen von Nahrung erfordere einen auf Hochtouren laufenden Stoffwechsel. Fresse der Hirsch angebotenes Futter, brauche er oft mehr Energie zum Verdauen, als die Nahrung hergebe. In der Folge kämen vor allem ranghohe Tiere, die sich an der Raufe die besten Plätze sichern könnten, schlechter über den Winter.

Eine weitverbreitete Fehlannahme sei auch, dass Rehe, Hirsche und Wildschweine von Natur aus nachtaktiv seien. „Sind sie aber nicht, denn sie brauchen in regelmäßigen Abständen rund um die Uhr Nahrung.“ Sie harrten tagsüber notgedrungen im Wald und in Gebüschen aus, statt wie üblich auf Wiesen zu äsen, um nicht einem Jäger vor die Flinte zu geraten.

Mit seinen vielen anschaulichen Beispielen aus Alltag und Wissenschaft wird auch „Das Seelenleben der Tiere“ eine immense Fangemeinde finden. Vorhersehbar sind auch die Reaktionen: Tierschützer werden das Buch loben – so mancher Verhaltensbiologe wird von der vermenschlichenden Wortwahl weniger begeistert sein. Klar ist jedenfalls: Der Rebell aus dem Wald hat erneut den Nerv der Zeit getroffen.