Kultur

Verunsicherung in Bayreuth

Oper zwischen Zäunen: Am Montag werden mit Uwe Eric Laufenbergs „Parsifal“ die Wagner-Festspiele eröffnet

Eigentlich war der Plan ein anderer: Künstler Jonathan Meese sollte Richard Wagners letzte Oper in diesem Jahr bei den Bayreuther Festspielen als Regisseur auf die Bühne bringen, Andris Nelsons sollte dirigieren. Doch bei der Premiere des „Parsifal“ am 25. Juli wird keiner der beiden dabei sein.

Meese wurde bereits 2014 vom Grünen Hügel verjagt – angeblich, weil sein Konzept zu teuer wurde. Und Nelsons warf nur vier Wochen vor der Eröffnung der Festspiele das Handtuch, und wird nun kurzfristig von Hartmut Haenchen ersetzt. Nicht einmal Festspielleiterin Katharina Wagner konnte Nelsons zum Bleiben bewegen. „Das hat mich viel Kraft und Anstrengungen gekostet“, sagt Regisseur Uwe Eric Laufenberg, der für den geschassten Meese die „Parsifal“-Inszenierung übernommen hat. „Auch die Sänger waren natürlich sehr verunsichert.“ Haenchen wisse aber, „wie’s funktioniert“.

Der Sprecher der Festspielleitung, Peter Emmerich, spekulierte, die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen könnten Nelsons gestört haben. Seit einigen Wochen nämlich ist das Festspielhaus eingezäunt – wohl zum ersten Mal in seiner Geschichte. Wer das Haus betreten will, braucht einen Sonderausweis, erstmals gibt es auch eine Akkreditierungspflicht für Journalisten und Fotografen. Terrorangst in Bayreuth.

Bei den Festspielen ist man nicht sonderlich glücklich darüber. Laufenberg hadert offen mit dem Sicherheitskonzept. „Wenn wir in einer offenen Gesellschaft leben wollen, wird es die absolute Sicherheit nicht geben“, sagt er, kurz nachdem in Bayreuth der Zaun aufgebaut worden war. Spekulationen, die Sicherheit sei auch darum ein so großes Thema, weil seine „Parsifal“-Interpretation eine islamkritische sei, wies er entschieden zurück. „Da kann mir aber keiner erzählen, dass das irgendwas mit mir zu tun hat“, sagt er. „Man könnte den zweiten Akt in Richtung Islam denken – trotzdem geht dieses Stück nicht um den Islam, es geht ums Christentum.“

Laufenberg sagt, er habe sich vor allem an Wagner orientiert. „Ich habe mir die Frage gestellt, wie Wagner selbst die Oper heute inszenieren würde.“ Die Antwort darauf soll es an diesem Montag geben – und zwar nicht nur im Festspielhaus, sondern auch in rund 100 Kinos in Deutschland. Die Inszenierung wird auf die Kinoleinwände übertragen.