Kultur

Vorsicht, zerbrechlich: „Colori di Murano“

Das Bröhan-Museum zeigt moderne Glaskunst aus Venedig

Mal raffiniert verbunden, mal mit Einschlüssen oder Applikationen versehen, mal mehrfach geblasen und in Form gebracht – das sind die Techniken, mit denen im 20. Jahrhundert die venezianische Glaskunst eine unverhoffte Blüte erfährt. Seit die Glasöfen der Stadt 1295 auf Murano verlegt worden waren – um die Stadt vor Bränden zu schützen und die Geheimnisse des Handwerks zu bewahren –, stand die kleine Inselgruppe von Venedig in Verbindung mit edelster Glasproduktion. Die Geschichte des Murano-Glases war über die Jahrhunderte jedoch wechselvoll. In der Renaissance war das venezianische Glas eine begehrte Handelsware. Lange konnte niemand sonst das farblose „cristallo“ herstellen.

Doch spätestens im Barock verloren die Manufakturen auf der Insel ihre Vormachtstellung an Regionen wie Böhmen und Schlesien, da nun das Schnittglas mit seinen Schliffen und Gravuren en vogue war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wendet sich das Blatt allmählich. Die älteste noch heute existierende Manufaktur der Fratelli Toso wird gegründet, alte Verfahren wie das sogenannte Murrinenglas werden wiederentdeckt. Anfang des 20. Jahrhunderts kommen mit Venini und Arte Vetraria Muranese weitere wichtige Manufakturen hinzu, die der venezianischen Glaskunst neue Impulse geben.

Mit rund 220 Objekten aus der Berliner Sammlung Holz, die erstmals in der Heimatstadt des Sammlers Lutz H. Holz präsentiert wird, gibt das Bröhan-Museum Einblick in den Variantenreichtum der Glaskunst von Murano im 20. Jahrhundert. Beim Murrinenglasverfahren werden vielfarbige Glasstränge in Scheiben zerschnitten, zu Mustern arrangiert, verschmolzen und in Form geblasen. Die Objekte strotzen vor expressiver Farbigkeit. Beim „Incalmo“ werden verschiedenfarbige Glasteile verbunden, ein Verfahren, das höchste Meisterschaft ­verlangt. Selbst Elemente des Expressionismus und der abstrakten Moderne fließen in die Glasproduktion ein. In den 60er-Jahren hält außerdem die aus Amerika stammende Studioglasbewegung Einzug: aufwendig produzierte Einzelstücke, mehr Skulptur als Gebrauchsgegenstand. Die vielen internationalen Namen zeigen, dass die Tradition der Murano-Glaskunst sich im 20. Jahrhundert aus der Isolation befreit und Künstler aus der ganzen Welt zu Kreationen aus Glas inspiriert hat.

Bröhan-Museum, Schloßstraße 1a.
Di–So 10–18 Uhr. Bis 23. Oktober