Konzert

6100 kommen zur ausverkauften Classic-Open-Air-Eröffnung

Am Berliner Gendarmenmarkt wurde am Donnerstag die 25. Ausgabe des Classic Open Airs eröffnet - vor begeisterten Besuchern.

Volles Haus am Gendarmenmarkt in Berlin zur Eröffnung des Classic Open Airs

Volles Haus am Gendarmenmarkt in Berlin zur Eröffnung des Classic Open Airs

Foto: Reto Klar

Das ist gerade noch mal gut gegangen. Den ganzen Tag über zogen dicke Wolkenpakete über den Himmel, immer wieder regnete es. Aber je näher der Auftakt des Classic Open Airs am Donnerstagabend rückte, desto mehr klarte es auf. Und um 19.30 Uhr, als sich die letzten Zuschauer auf das Areal am Gendarmenmarkt quetschen und Festivaldirektor Gerhard Kämpfe den Abend eröffnet, da taucht die Sonne die vollen Zuschauerränge in goldenes Licht. Petrus spielt also mit. Dieses Jahr soll es ja auch etwas Besonderes sein. Highlights aus der Geschichte des Festivals soll es geben. Denn Kämpfe richtet sein Musikfest zwischen Deutschem Dom, Konzerthaus und Französischem Dom zum 25. Mal aus. „Aber hätten Sie mich damals gefragt, ob ich in 25 Jahren noch hier bin, ich hätte es nicht gewusst“, sagt er zur Begrüßung.

Damals, beim allerersten Mal, da sah das Festival ja noch ein bisschen anders aus. Da trat José Carreras zwischen 27 Kränen und Presslufthammern auf. Nicht so heute. 6.100 Zuschauer sind gekommen, um den Startschuss des Sommerfestivals zu feiern. Ausverkauft. Kein Wunder, dass die Balkone, sogar die Dächer rund um den Platz vor Schaulustigen überquillen. Im Publikum sitzen Eberhard Diepgen, Klaus Wowereit, Akte-Moderator Ulrich Meyer, auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Malu Dreyer.

Wie immer geben die Solokünstler der nachfolgenden Abende einen Vorgeschmack bei der First Night. Einen "Appetizer" sozusagen. Weil der erste Abend ja traditionell verschiedenen Musikgenres gewidmet ist, entsteht hier eine wilde Mischung. Operette, Pop, Jazz, Filmmusik. Chris de Burgh hat sich in diesem Jahr angekündigt, genau wie Starsängerin Ute Lemper, die den Weg aus New York zum Gendarmenmarkt ja schon ein paar Mal angetreten hat. Der rote Faden in diesem Strudel der Genres ist das von Robert Reimer angeleitete Deutsche Filmorchester Babelsberg. Wie fulminant er seine Musiker anleitet, das spürt man immer dann, wenn das Orchester sich von der Klassik fortbewegt und Soundtracks spielt. „Mission Impossible“ zum Beispiel.

Wechsel der Genres sind übergreifend

Diese Wechsel der Genres scheinen auch auf die Emotionen des Publikums überzugreifen. Denn zwischenzeitlich wird es emotional. Im vergangenen Jahr noch stand Roger Cicero da oben auf der Bühne. Kämpfe, der gemeinsam mit Madeleine Wehle durch den Abend moderiert, fordert alle zum Applaus für den vor kurzem verstorbenen Künstler auf. Er möchte den Gendarmenmarkt heute zum Gedenken an ihn zum Swingen bringen, sagt er, denn, „er fehlt uns sehr.“

Eine Kamera surrt derweil über die Köpfe der Besucher hinweg. Wie bereits in den vergangenen Jahren wird der "rbb" den ersten Abend des Festivals samt großem Abschlussfeuerwerk am 3. August im Fernsehen übertragen. Zu sehen ist da beispielsweise die Sopranistin Katarzyna Dondalska, die in schwarzem Prinzessinnenkleid und venezianischer Maske Strauß’ „Fledermaus“ singt. Dann – das Motto muss ja auch eingehalten werden – Jazz von Trompeter Till Brönner. Dem müsste die imposante Kulisse ja bereits bekannt vorkommen, gehört er doch mittlerweile fast zum festen Repertoire des Festes. Er verwandelt Pharell Williams’ Sommerhit „Happy“ in eine poppige Jazz-Nummer, zu der zwei Tänzer der staatlichen Ballettschule Berlin tanzen – oben ohne. Da werden gleich die ersten Smartphones gezückt. Einige bleiben den halben Abend über in die Luft gestreckt. Drei Stunden lang wird ja auch Programm geboten. Standing Ovations gibt erstmals für den Pianisten Joja Wendt. Denn der verwandelt vierhändige Stücke fast lässig – so scheint es jedenfalls – in zweihändige.