Kultur

Coups und hohe Erwartungen in Salzburg

Neuer Chef Markus Hinterhäuser stellt erste Pläne für 2017 vor

Der Übergangsintendant der Salzburger Festspiele, Sven-Eric Bechtolf, ist ein rastloser Kreativarbeiter. In diesem Jahr verantwortet der 58-Jährige nicht nur das Gesamtprogramm, sondern steht auch selbst auf der Bühne und ist für die Wiederaufnahme von Opern zuständig. Deshalb wäre man fast geneigt, das Festival (22. Juli bis 31. August) spaßeshalber in Sven-Eric-Bechtolf-Festspiele umzubenennen. Doch das ändert sich bald. Denn er wird sich mit Ende der diesjährigen Saison nach fünf Jahren, zunächst als Schauspieldirektor, dann auch als künstlerischer Leiter, von Salzburg verabschieden. Er hatte nach dem vorzeitigen Abtreten von Intendant Alexander Pereira (68) die Position kommissarisch übernommen.

Im Herbst nimmt dann Markus Hinterhäuser das Zepter in die Hand. Mit dem Dienstantritt des 58-jährigen Pianisten und Kulturmanagers verbinden sich bei den Salzburger Festspielen nach unsteten Zeiten mit schnell wechselnden Intendanten die allergrößten Hoffnungen auf mehr Kontinuität und neue künstlerische Impulse. Hinterhäuser war nach dem ebenfalls vorgezogenen Abschied Jürgen Flimms schon einmal für eine Saison (2011) künstlerischer Leiter der Festspiele. Davor organisierte er das Konzertprogramm und setzte Akzente im Bereich der zeitgenössischen Moderne. Zuletzt hatte er die Leitung der Wiener Festwochen inne. Ein ausgefuchster, bestens vernetzter Kulturprofi also, der als brillanter Pianist immer wieder gern selbst in die Tasten greift.

Was Hinterhäuser, der in Salzburg zuweilen wie ein Erlöser gehandelt wird, für die nächste Saison plant, ist ansatzweise durchgesickert. Es soll laut Nachrichtenmagazin „News“ vier Schauspiel- und fünf Opernproduktionen geben. Bei den Opern soll es sich ausschließlich um szenische Neuproduktionen handeln. Man kann davon ausgehen, dass die zeitgenössische Musik bei Hinterhäuser nicht zu kurz kommt.

Als Gegenpol soll wohl Stardirigent Riccardo Muti (74) künftig im Festspielprogramm eine größere Rolle spielen. Vielleicht als Ersatz für den im März gestorbenen Nikolaus Harnoncourt, der viele Jahre die unumstrittene Leitfigur war. Muti gilt als konservativ. Schließlich muss Hinterhäuser, damit die Kasse stimmt, auch die Traditionalisten zufriedenstellen.

Mutis internationale Karriere ist untrennbar mit den Festspielen verbunden, seit er Mozarts „Così fan tutte“ dirigierte. Doch seine Beziehung zu Salzburg war nie ungetrübt. Anfang der 90er- Jahre scheiterte eine Neuinszenierung von Mozarts „La clemenza di Tito“ an seiner Reserviertheit gegenüber dem modernen Regietheater. Bei den Salzburger Sommerfestspielen hat er seit 2011 keine szenische Oper mehr geleitet. Jetzt ist Hinterhäuser offenbar ein Coup gelungen. Wie österreichische Medien berichteten, wird Muti nächstes Jahr erstmals seit fünf Jahren bei den Festspielen wieder eine große Oper herausbringen: Verdis „Aida“.