Kultur

Michael Kessler hält Gregor Gysi einen Spiegel vor

Heute startet das ZDF neue Folgen von „Kessler ist ...“

Wandlungsfähig. Dieses Attribut wird Schauspielern gern zugeschrieben. Nicht immer trifft es zu. Für Michael Kessler gilt es. Außer dem mit mehreren Grimmepreisen geehrten Menschendarsteller Olli Dittrich und seinem Kollegen Max Giermann gibt es im deutschen Fernsehgeschäft keinen Besseren für derlei Kunst als Kessler. Der jedoch hat seine Paraderolle, Deutschlands TV-Liebling Günther Jauch, längst abgelegt und verschwendet auch an die Pro7-Mediensatire „Switch Reloaded“ nicht mehr allzu zu viele Gedanken – obwohl die Sendung 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Dass Kessler in jenem Jahr auch mit dem Comedypreis als „Bester Schauspieler“ geadelt wurde, hat schon etwas mehr bleibenden Wert.

Denn als Schauspieler sieht sich Kessler, der einst eine vierjährige Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum genoss, bis heute in erster Linie. Dazu noch als Moderator. Und in dieser doppelten Funktion hat es der gebürtige Wiesbadener mit seiner eigenen Sendung jetzt erstmals auch ins ZDF-Hauptprogramm geschafft. „Kessler ist ...“ heißt es von heute an viermal jeweils donnerstags. Gast der ersten Folge ist Linken-Altstar Gregor Gysi.

„Kessler ist ...“ sei mehr „Experiment als Comedy“, sagt der Namensgeber selbst. Gerade das macht die Sendung so spannend. Die kleine Show ist ein gutes Beispiel dafür, dass im Mainzer Ableger ZDF neo einige innovative TV-Formate entstehen können, die neue Sichtweisen eröffnen. Bereits im Herbst 2014 waren sechs Folgen von „Kessler ist ...“ auf ZDF neo zu sehen, drei schafften es in der Vorweihnachtszeit ins ZDF. Im Vorjahr wurden sechs weitere Teile im Programm des Zweiten ausgestrahlt, darunter mit TV-Koch Horst Lichter, Comedian Michael Mittermeier oder Entertainer Götz Alsmann.

Verwandlungskünstler ist Kessler auch in dieser Sendung, jedoch eben auch Rechercheur und Moderator. Er möchte seine Gäste mehr charakterisieren denn parodieren. Nach dem Vorgespräch mit dem oder der Auserwählten befragt der 49-Jährige stets das engere Umfeld der Prominenten. Dann holt Kessler sein Büchlein raus und macht sich Notizen über deren Eigen- und Besonderheiten oder schaut sich an einer großen Fotowand reichlich Bilder des Gastes an. Das sehen die Zuschauer ebenso wie Kesslers Übungen, sich in Gestik, Mimik und Sprachduktus seines späteren Gegenübers einzufinden. Erst am Ende der gut 30 Minuten Sendezeit wird aus Michael Kessler dann der jeweilige Gast – bis zu vier Stunden lang ist Kessler dafür in der Maske. Und der Prominente ist dann aufgefordert, sein Alter Ego zu befragen. „Die meisten lachen, weil sie sich so noch nie gesehen haben“, hat Kessler festgestelllt. Das Outfit von Original und Fälschung ist beim finalen Gespräch nach Möglichkeit immer gleich. „Sie können sich dann das fragen, was sie schon immer von sich selbst wissen wollten“, erzählt Michael Kessler.

Ob es für Michael Kessler bei Politikern wie Gysi leichter ist, in deren Rolle zu schlüpfen? „Das Schwierigste wird sein, die Mischung aus Ironie und Selbstironie hinzubekommen“, warnt der langjährige Linken-Bundestagsfraktionschef in der neuen Folge. Wie das finale Rededuell zwischen dem ausgebildeten Rechtsanwalt Gysi und dem ausgebildeten Schauspieler Kessler ausgeht, ist besonders ergiebig. Ähnlich interessant, sogar kurios, verspricht der nächste Donnerstag zu werden, wenn es heißt „Kessler ist ...“ Dunja Hayali: Die Moderatorin ist unmittelbar zuvor in ihrer Sendung „ZDFdonnerstalk“ selbst Gastgeberin. In den nächsten Shows verwandelt er sich dann noch in Hugo Egon Balder und Jürgen Drews.

„Kessler ist ...“ 4 neue Folgen, jeweils Do., 23.15 Uhr, ZDF