Kultur

Ein Knäuel voller Beziehungen

Die Ausstellung „Common Affairs“ zeigt mit Videos, Skulpturen und Konzeptkunst die ganze Vielfalt der polnischen Gegenwartskunst

Seit 2003 wird der Views-Award an polnische Gegenwartskünstler vergeben, die wegweisend für die Kunstszene sind. Ursprünglich sollte damit der Öffentlichkeit in Polen die zeitgenössische Kunst nahegebracht werden. Der Preis wurde von der Warschauer Kunstgalerie Zachęta und der Deutschen Bank initiiert und fortan alle zwei Jahre ausgelobt. Mittlerweile hat er sich zum wichtigsten Kunstpreis für polnische Gegenwartskunst entwickelt. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags wird nun ein Blick zurückgeworfen auf Nominierte und Preisträger von damals bis heute. 17 Künstler hat das deutsch-polnische Kuratorenteam Julia Kurz und Stanisław Welbel aus diesem Kreis ausgewählt, um an zwei Orten in Berlin eine Ausstellung zu machen. „Common Affairs“ ist der Titel und zeigt das ganze Knäuel der vielfältigen Beziehungen dieser deutsch-polnischen Allianz.

Auf dem Wasserweg kam die Arbeit von Elżbieta Jabłońska nach Berlin, eine zehn Meter lange Leuchtreklame. In geschwungener, weißer Schrift ist auf Polnisch „Neues Leben“ darauf zu lesen. Die Reklame stammt aus den 70er-Jahren, die Künstlerin fand sie bei einer Landwirtschaftsgenossenschaft als Relikt von staatsverordnetem Optimismus sozialistischer Planwirtschaft. Auf der Reise durch polnische und deutsche Flusslandschaften wirft die Schrift heute eher Fragen auf.

Nun ist sie als Readymade im Polnischen Institut gelandet und füllt den ganzen Ausstellungsraum. Ein Video dokumentiert die Schiffsreise. Nur zehn Minuten läuft man zur Deutschen Bank KunstHalle hinüber. Dort darf man sich nicht wundern, wenn das Personal Arbeiten von der Wand nimmt und umhängt. Das ist Teil der Arbeit von Paweł Althamer, der seine Werke gerne kollektiv und performativ umsetzt. Damit spielt er auf eine andere Arbeit in der Zachęta an, bei der er mit dem dortigen Wachpersonal zusammengearbeitet hat. Die Arbeiten von Rafał Jakubowicz führen tief in die deutsch-polnische Geschichte: Eine Fotoserie dokumentiert, wie Jakubowicz an das Museum in Warschau das Logo der Deutschen Bank anbringen und wieder verschwinden ließ – ein kritischer Kommentar.

Anna Molska konzentriert sich in ihren Videos auf die polnische Arbeitswelt. Sie zeigt die Arbeitsbedingungen polnischer Bergbauer und lässt diese dazu den Text von Hauptmanns „Webern“ rezitieren. Die aktuelle nationalistische Stimmung in Polen ist auch Thema einiger Werke. In seinen 3-D-Skulpturen stellt Janek Simon die Frage, was wohl ein wahrer Pole ist. Die kreuzförmige Multimediainstallation von Piotr Wysocki zeigt Videoaufnahmen von den nationalistisch gefärbten Trauerfeiern nach dem Absturz der Präsidentenmaschinen mit vielen hochrangigen polnischen Politikern 2010.

Deutsche Bank KunstHalle, Unter den Linden 13/15, Mitte, tgl. 10–20 Uhr.
Polnisches Institut Berlin, Burgstr. 27, Mitte. Di.–Fr. 10–18 Uhr. Bis 30. Oktober