Film

„Pretty Woman“-Regisseur Garry Marshall ist tot

Er hat Julia Roberts zu America’s Sweetheart gemacht. Und reaktivierte die RomCom. Zum Todes des Hollywoodregisseurs Garry Marshall.

Der Meister und sein Star: Garry Marshall mit Julia Roberts, hier 1999 beim Dreh von „Die Braut, die sich nicht traut“

Der Meister und sein Star: Garry Marshall mit Julia Roberts, hier 1999 beim Dreh von „Die Braut, die sich nicht traut“

Foto: © Fred Prouser / Reuters / REUTERS

Am Ende überwindet der Millionär Richard Gere seine Höhenangst, klemmt seinen Strauß Rosen zwischen die Zähne und klettert bibbernd die Feuerleiter hoch, um seine Auserwählte zu küssen. Dazu erklingt noch mal der Titelsong. Und die Kamera schwenkt auf den Ort des Geschehens, Hollywood, die Stadt der Träume. So endet eine der schönsten Liebeskomödien Hollywoods: „Pretty Woman“ aus dem Jahr 1990.

Dabei sollte eigentlich alles ganz anders werden. Der Film war zunächst als hartes Drama über Sexarbeit in L.A. geplant und sollte ursprünglich „3000“ heißen, just das Gehalt, dass der Freier für seine Prostituierte berappen sollte. Aber das Projekt landete schließlich bei Disney, und das Studio entschied, das Sozialdrama in ein modernes Märchen zu verwandeln. Aschenputtel vom Straßenstrich. So funktioniert Hollywood.

Alle wollten die Rolle haben

Auch die Hauptrolle sollte ursprünglich eine ganz andere spielen. Winona Ryder, Meg Ryan, Michelle Pfeiffer: „Es schien“, meinte Diane Lane, noch so eine Anwärterin, „als krabbelte jede Frau in Hollywood in ihrer Unterwäsche herum, um diesen Job zu bekommen.“ Julia Roberts, die schließlich ausgewählt wurde, gefiel den Studio-Oberen erst mal gar nicht und war ihnen auch zu unbekannt.

Regisseur Garry Marshall aber war von ihr überzeugt. Und sollte Recht behalten. „Pretty Woman“ wurde nicht nur der Kassenerfolg des Jahres 1990, er machte Julia Roberts auch über Nacht zum Star. Und Marshall hatte sie zu America’s Sweetheart geschaffen. „Sie groß werden zu sehen, war eine meiner Freuden“, hat er einmal bescheiden gesagt.

Nun ist Garry Marshall am Dienstag im Alter von 81 Jahren in einem kalifornischen Krankenhaus an einer Lungenentzündung gestorben, die er nach einem Schlaganfall erlitten hatte. Und es passt irgendwie, dass er als Testament einen fertigen Film hinterlässt, in dem noch einmal Julia Roberts mitspielt und für den halb Hollywood bei ihm Schlange gestanden hat: „Mother’s Day“, der am 25. August in unsere Kinos kommt. Es war die vierte Zusammenarbeit mit Roberts, nach „Pretty Woman“, nach „Die Braut, die sich nicht traut“ (1999) und „Valentinstag“ (2010).

Garry Kent Marshall, 1934 in der Bronx von New York geboren, war lange Gagschreiber für Fernsehshows, bevor er eigene TV-Serien wie „Männerwirtschaft“ oder „Mork vom Ork“ produzierte. 1982 feierte er dann mit „Küß mich, Doc!“ sein spätes Debüt als Kinoregisseur, da war er schon 48. Mit Filmen wie „Freundinnen“ und „Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ hat er sich dann nicht nur als großer Frauenregisseur erwiesen, sondern auch als Meister sensibler Komödien. „Pretty Woman“ sollte dann sein Meisterstück werden, das sogar, zusammen mit Rob Reiners „Harry und Sally“, zur Wiederauferstehung eines eigentlich siechen Filmgenres führte: der Liebeskomödie.

Marshall war denn auch so eine Art König der „RomCom“. Was ihm am besten gelang mit „Frankie & Johnny“. Gleichwohl suchte er immer wieder seinen Erfolg von „Pretty Woman“ zu wiederholen. Was trotz Reaktivierung des Paares Roberts/Gere in „Die Braut, die sich nicht traut“ aber nicht ganz glückte. Und zuletzt zu einigen All-Star-Komödien führte, die etwas fantasielos etliche Familientage durchdeklinierten, „Valentinstag“, „Happy New Year“ oder jetzt eben Muttertag in „Mother’s Day“,. Mit „Plötzlich Prinzessin“ ist ihm 2001 aber noch eine Art „Pretty Woman“ für die Next Generation geglückt, mit Anne Hathaway, die ja immer ein bisschen wirkt wie die junge Julia Roberts.

Marshall, der in kleinen Gastauftritten immer wieder auch selbst vor der Kamera stand, liebte seine Schauspieler. Und wusste sie zur Geltung zu bringen. Kein Wunder, dass sein Tod nun große Bestürzung in Hollywood ausgelöst hat. Wenn sein letzter Film demnächst postum ins Kino kommt, wird man ihn mit reichlich Wehmut schauen.