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„Spock“ Zachary Quinto findet Donald Trump „ekelhaft“

Der „Star Trek“-Star schwärmt von seinem Vorgänger Leonard Nimoy, rät zum Innehalten und wettert gegen den Kandidaten de Republikaner.

Eine Topffrisur und spitze Ohren: Schon wird aus Zachary Quinto der Vulkanier Spock

Eine Topffrisur und spitze Ohren: Schon wird aus Zachary Quinto der Vulkanier Spock

Foto: Photo credit: Kimberley French / Kimberley French

Die dichten, dunklen Augenbrauen sind häufig das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn der Name Zachary Quinto fällt. Oder spitze Ohren, schließlich ist der Amerikaner zumindest in Deutschland vor allem durch die Rolle des Mr. Spock bekannt, den er seit 2009 in den neu aufgelegten „Star Trek“-Filmen spielt. Doch der 39-jährige war zuletzt auch in Serien wie „American Horror Story“ oder „Hannibal“ zu sehen, demnächst spielt er in Oliver Stones „Snowden“ mit. Und als Produzent von Filmen wie dem Oscar-nominierten „All Is Lost“ oder dem Berlinale-Beitrag „Margin Call“ feiert Quinto ebenfalls Erfolge. Wir trafen ihn bereits im April zu einem entspannten Gespräch im Londoner „Rosewood Hotel“, wo die Klimaanlage allerdings
derart aufgedreht war, dass der Wahl-New-Yorker sich in eine Decke hüllte.

Berliner Morgenpost: Mr. Quinto, in „Star Trek Beyond“ sind Sie nun zum dritten Mal als Spock zu sehen. Wird es langsam langweilig?

Zachary Quinto: Überhaupt nicht. Ich habe wirklich nichts daran auszusetzen, diese Rolle immer wieder zu spielen. Wir alle sind mit der Zeit zu einer kleinen Filmfamilie geworden, und die Arbeit macht dadurch viel Spaß. Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass ich wegen Spock zu nichts anderem komme. Drei Filme in neun Jahren – das ist nun wirklich nichts, was mich kreativ oder persönlich irgendwie einschränken würde.

Sie kennen diesen Vulkanier inzwischen in- und auswendig?

Ich denke, ich weiß inzwischen schon ziemlich genau, wie Spock tickt. Nur körperlich ist der Gute ziemlich unstet: Beim ersten Film war ich noch ein dürrer Schlaks, dann musste ich mir für all die Stunts im zweiten plötzlich Muskeln antrainieren. Und nun stand noch einmal ein ganz anderes Training für mich auf dem Programm, weil Spock ziemlich schwer verletzt wird.

Dies ist der erste „Star Trek“-Film nach dem Tod des Original-Spock Leonard Nimoy, der sonst immer mit von der Partie war. Wie gut kannten Sie ihn?

Wir lernten uns damals beim ersten neuen „Star Trek“-Film 2009 kennen, in den war er stark involviert. Für mich war er eine große Stütze, als ich in seine Fußstapfen trat, doch daraus entwickelte sich bald auch eine echte, tiefe Freundschaft, auch zu seiner Familie. Von ihm habe ich mehr als von irgendwem sonst gelernt, was es bedeutet, ein glückliches, erfülltes Leben zu führen. Und wie wichtig es ist, bis zum Schluss neugierig, interessiert und kreativ zu sein. Sein Tod hat mich tief getroffen, ich vermisse ihn wahnsinnig. Aber irgendwie habe ich seine Nähe trotzdem auch beim Dreh zum neuen Film gespürt.

2009 haben Sie Ihre Homosexualität noch geheim gehalten. Hätten Sie je gedacht, dass Ihre Karriere nach dem öffentlichen Outing sogar besser laufen würde?

Damals vermutlich nicht. Natürlich habe ich mir viele Jahre darüber Gedanken und Sorgen gemacht. Deswegen habe ich ja so lange nicht über mein Privatleben gesprochen. Aber irgendwann kam der Punkt, wo ich keine Lust mehr hatte, darüber nachzudenken. Ich wusste nur einfach, dass ich nicht länger etwas verstecken wollte, dass letztlich ein so großer Teil meiner selbst ist. Nicht aus Angst, irgendwer könnte mir danach vielleicht einen Job verwehren.

Das kam dann ja auch nicht so, oder?

Nicht dass ich wüsste. Aber selbst wenn ich nach meinem Coming-out keine einzige Rolle mehr bekommen hätte, wäre das in Ordnung gewesen. Dann hätte ich mir etwas anderes einfallen lassen. Hauptsache, ich kann mein Leben so führen, wie ich das will. Aber ich habe nicht ernsthaft mit solch krassen Konsequenzen gerechnet. Denn auch früher wussten eigentlich immer alle, mit denen ich zusammengearbeitet habe, dass ich schwul bin.

Bedauern Sie es im Rückblick, dass Sie den Schritt nicht früher getan haben?

Nein, das nicht. Jeder geht seinen eigenen Weg und muss ihn erst einmal finden. Das braucht manchmal Zeit. Aber ich glaube fest daran, dass jeder so authentisch wie möglich sein Leben führen sollte. Es bringt uns alle weiter, wenn immer mehr offen zu sich selbst stehen. Natürlich wird es immer die geben, die sagen, dass Schauspieler nichts Privates preisgeben sollen. Dass das Publikum einem gewisse Sachen nicht mehr abnimmt, wenn sie bestimmte Bilder von dir im Kopf haben. Doch das ist in meinen Augen völliger Unsinn. Wozu sind wir denn Schauspieler?

Unabhängig vom Coming-out: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich mit dem Wissen von heute als Ratschlag geben?

Wahrscheinlich würde ich sagen: Atme mal durch! Als ich jünger war, war ich unglaublich ehrgeizig und stand mir damit, glaube ich, manchmal selbst im Weg. Weil ich nie nach links oder rechts geguckt habe, nur streng geradeaus. Ich brauchte einige Jahre, um zu merken, wie gut es tut, wenn man mal innehält oder sogar mal meditiert. Hätte mir damals schon gut getan.

Inzwischen waren Sie für den Emmy nominiert, haben Oscar-nominierte Filme produziert und waren bei Madonnas Geburtstagsparty. Was war bislang der aufregendste Moment Ihrer Karriere?

Puh, da gab es einige. Aber an einen denke ich besonders gerne zurück. Das war, als unser Film „All Is Lost“ mit Robert Redford beim Filmfestival in Cannes Premiere hatte. Ich saß da mit meinem Produktionspartner und meinem guten Freund und Agenten im legendären „Hôtel du Cap-Eden-Roc“, von dem ich schon oft Bilder in den Medien gesehen hatte. Ich blickte aufs Meer und in den Sonnenuntergang und konnte gar nicht glauben, was für ein Glück ich im Leben hatte.

Von diesen schönen Erinnerungen noch ein knallharter Wechsel zur bitteren Gegenwart. Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie, der keinen Hehl daraus macht, ein sehr politischer Mensch zu sein, den aktuellen US-Wahlkampf?

Erschreckenderweise ist die Sache eine einzige Peinlichkeit. Dass Donald Trump auch nur in die Nähe einer Präsidentschaftskandidatur gekommen ist, ist eine Schande. Er ist ein ekelhafter Mann, man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass das System korrupt ist. Aber letztlich haben wir uns alle das selbst zuzuschreiben. Wir haben erlaubt, dass Reality-Fernsehen unsere Gesellschaft infiltriert – jetzt hat ein Reality-TV-Star eben die Chance, unser Präsident zu werden. Unser Pech!