Kultur

„Zusammen macht Lachen noch mehr Spaß“

Ein Dokumentarfilm will Nordkorea als heile Welt zeigen

Die nordkoreanische Näherin hat rote Wangen, als sie am Strand entlang läuft und von ihrer Arbeit spricht. „Ja, ich möchte sehr gern weiter als Näherin arbeiten“, sagt sie. „Es gefällt mir, wenn Menschen Kleidung tragen, die ich genäht habe.“ Dann erzählt sie, dass ihr Gehalt höher ausfällt, wenn sie mehr arbeitet und außerdem noch Lebensmittelmarken bekomme. „Nur alte Knacker sind doch gern allein, zusammen macht Lachen noch mehr Spaß“, sagt die Frau am Ende. Der Grund, warum Sung-Hyung Chos neuer Dokumentarfilm gescheitert ist, hat damit zu tun, dass sie nicht nachfragt. Dabei zeigt schon der Titel des Films viel von ihrer Haltung: „Meine Brüder und Schwestern im Norden“. Das klingt nicht nur schön und poetisch, sondern umgrenzt sehr eng, was sie zeigen will: einen Teil ihrer Heimat. Zugegeben, es ist das erste Mal, dass eine gebürtige Südkoreanerin eine Drehgenehmigung für Nordkorea bekommt. Sung-Hyung Cho hat dafür sogar ihre Staatsangehörigkeit aufgegeben und den deutschen Pass angenommen. Dreimal ist sie nach Nordkorea gereist. Es ist eine große Chance, denn Cho spricht deren Sprache: Koreanisch.

Aber das Projekt scheitert, eben weil der Filmemacherin schlicht die Distanz zum Thema fehlt. In langsamen Zeitlupen ziehen kitschig die vollen Reisfelder, die beeindruckenden Monumente und die tanzenden Näherinnen am Zuschauer vorbei. Im Kindergarten singen die Kinder fröhliche Lieder von Kim Jong-Un und im Theater tritt eine Frauenband auf. Aus dem Off kommentiert Cho nur, dass das Leben in Nordkorea am Ende gar nicht so anders sei, als in ihrer Heimat Südkorea in den 70er-Jahren.

Dass aber diese Menschen zum großen Teil vom Regime gecastet sind, lässt sie den Zuschauer nicht wissen. Auch die Straflager erwähnt sie mit keiner Silbe. Sie findet auch nichts daran, die Lügen der Nordkoreaner zu verbreiten: „Jeder Bauer bekommt 1 Tonne Reis“, sagt einer, „weil das zu viel ist, schenkt er den übrigen Reis an den Staat.“ Cho glaubt es nicht, aber widerspricht auch nicht. Bei ihrer Doku über die Heavy-Metal-Fans in Wacken („Full Metal Village“) oder dem Porträts von Profi-Fußballerinnen („11 Freundinnen“) war diese freundliche Naivität der absolute Gewinn. In Nordkorea wird es ein Fluch – gerade weil es inzwischen einfach bessere Filme über das Thema gibt.

Der Russe Witali Manski zum Beispiel zeigt in seinem Dokumentarfilm „Im Strahl der Sonne“, was passiert, wenn die rotwangigen Näherinnen nicht merken, dass die Kamera auf sie gerichtet ist. Das ist wirklich erschütternd. Kein Wunder, dass Cho jetzt ankündigt, in Zukunft häufiger Filme in Nordkorea zu machen, koproduziert von Kim Jong-Uns Regime.