Kultur

Unesco „höchst besorgt“ über zerstörtes Welterbe

Sechs syrische Stätten bleiben gefährdetes Kulturerbe

Die Unesco zeigt sich „höchst besorgt“ über die Zerstörung der historischen Oasenstadt Palmyra und anderer Welterbestätten in Syrien. Das Unesco-Komitee für das Welterbe rief am Dienstag bei seinem Treffen in Istanbul alle Bürgerkriegsparteien dazu auf, die historischen Stätten zu verschonen. Zugleich warnte es vor „unangemessenen Neukonstruktionen“ zerstörter Bauten.

Die insgesamt sechs syrischen Stätten bleiben dem Beschluss zufolge auf der Liste des gefährdeten Kulturerbes. Außer Palmyra zählen dazu die Altstädte von Aleppo, Damaskus und Bosra, die Kreuzfahrerfestung Crac des Chevaliers sowie antike Dörfer in Nordsyrien. Alle syrischen Welterbestätten haben massiv unter dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg gelitten. Terrormilizen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) sprengten während ihrer fast einjährigen Herrschaft über Palmyra unter anderem den Triumphbogen sowie die Tempel Baal und Baal-Schamin. Auch die berühmte Zitadelle der nordsyrischen Stadt Aleppo ist stark zerstört.

Allerdings seien die Verwüstungen in Palmyra nicht so groß wie erwartet, sagte Ahmed Dib, Leiter eines syrischen Untersuchungsteams. Eine Bestandsaufnahme habe ergeben, dass rund 20 Prozent der Welterbestätte zerstört worden seien. Viele wichtige Bauten sind demnach erhalten, darunter das römische Amphitheater und die Säulenstraße. Palmyras einzigartige Überreste stammen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Sie gehören seit 1980 zum Unesco-Welterbe.

Nach der Vertreibung des IS hatten Experten der Unesco Palmyra im April besucht. Sie sei während der Reise erleichtert gewesen, dass die Stätte vergleichsweise gut erhalten sei, sagte die Direktorin des Welterbezentrums, Mechthild Rössler. Einige der zerstörten Bauwerke könnten „relativ einfach“ wieder aufgebaut werden. Dazu zähle der Triumphbogen, dessen Überreste aus ganzen Stücken beständen. Die beiden Tempel seien hingegen pulverisiert. Äußerst skeptisch sieht Rössler einen originalgetreuen Nachbau zerstörter Stätten. „Einige meinen, dass man das in 3-D machen kann, aber so einfach ist das nicht“, sagte sie. „Rekonstruktion ist nicht erlaubt im Rahmen der Welterbekonvention.“ Eine Replik von Palmyras Triumphbogen war im April auf dem Trafalgar Square in London enthüllt worden. Sie wurde mit Hilfe eines 3-D-Druckers konstruiert und soll nach Ausstellungen in New York und in Dubai einen Platz in Palmyra finden.

Die Tagung des Welterbekomitees in Istanbul dauert bis zum 20. Juli. Während des Treffens wird auch über die neuen Stätten des Kultur- und Naturerbes entschieden. Nominiert sind dafür 27 Stätten.