Kultur

Melancholisch und verträumt: Beirut in der Zitadelle

Die US-Band ist auf Tournee durch Europa

Beirut tourt derzeit durch Europa, nur noch wenige Tage bis die Band weiter nach Kanada geht. Dabei steckt hinter der US-Band in erster Linie nur eine Person: Sänger Zach Condon. Am Sonnabend versetzten er und seine Kollegen die Zitadelle in Spandau mit dem heiteren Groove, den das aktuelle Album „No No No“ in sich trägt, in einvernehmliches Wippen. Es klingt leichter, fröhlicher, munter. Ein klarer Unterschied zum Vorgängeralbum. Von der ausgelassenen Stimmung lässt sich das Publikum schnell mitreißen. Es wird getanzt, geklatscht, gejubelt und mitgesungen. Doch auch die älteren Songs kommen nicht zu kurz: Gerade bei dem Titel „Nantes“, der auf „The Flying Club Cup“ zu finden ist, bricht das vorwiegend junge Publikum in lauten Jubel aus. Beirut präsentiert alle Facetten, die ihre Musik zu bieten hat: leichtfüßig und schwerfällig, vergnügt und wehmütig zugleich. Die Vielfalt an Instrumenten, die dabei auf die Bühne kommt, zeichnet die Band aus. Condon allein beherrscht Dutzende.

Beirut war schon immer eine bunte Mischung. Sei es die Vielzahl an Musikern oder die Musik, die durch dieses vielseitige Zusammenspiel zum Vorschein kommt. Condon übrigens wurde in New Mexico geboren, nahm bereits mit 15 Jahren sein erstes Album auf, brach die Schule ab, reiste durch Europa, um die musikalischen Traditionen anderer Länder kennenzulernen und in seine Musik zu verweben. 2006 präsentierte er das Resultat seiner Eindrücke in dem Album „The Gulag Orkestar“, das gut ankam. 2007 folgte das Album „The Flying Club Cup“, 2009 die Doppel-EP „March of the Zapotec“, 2011 das Album „The Rip Tide“, und mit jeder Platte wuchs der Bekanntheitsgrad der Band.

Vor allem letztere verschaffte Beirut einen sicheren Platz im deutschen Radio – Songs wie „Santa Fe“ oder „Vagabond“ liefen mit großer Beliebtheit über den Äther. Das Album besitzt eine schöne Schwere, es klingt melancholisch und verträumt. Ganz anders das aktuelle Album „No No No“, das nach einer vierjährigen Pause 2015 erschien.

Derzeit besteht die Band mit ihm aus elf Mitgliedern. Sie treten in wechselnder Besetzung auf, in der Zitadelle sind sie zu sechst. Vor allem das Trompetenspiel stößt auf Begeisterung, ebenso Condons Spiel auf der Ukulele. Das Publikum jubelt so laut, dass er staunend ruft: „I wonder, if it’s the first time, this castle sees an Ukulele.“ Auffallend viele Songs – wie der Name der Band selbst – sind nach Orten benannt. Da lässt sich Bratislava, Brandenburg und sogar der Prenzlauer Berg finden. Bei Beirut fließt eben Volksmusik aus der ganzen Welt zusammen: Ein Sound, den ihnen keiner so leicht nachmachen kann. Und so fehlt eigentlich nur noch ein Song, einer, der nach Berlin benannt ist.