Kultur

Unesco uneins über Le Corbusier

Dritter Anlauf: Sieben Länder wollen das Werk des Stararchitekten zum Welterbe erklären lassen

Wenn das Unesco-Welterbekomitee von diesem Sonntag an in Istanbul tagt, hoffen 29 Orte weltweit auf die begehrte Aufnahme in die Liste von Welterbestätten mit besonderer Bedeutung. Deutschland ist diesmal nur ein Mal nominiert: Zwei Häuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung sind Teil eines Antrags aus sieben Ländern, der das Werk des schweizerisch-französischen Architekten und Stadtplaners Le Corbusier (1887–1965) würdigen will.

Der internationale Antrag wurde schon zweimal abgelehnt. An der überarbeiteten Form haben sich jetzt sieben Staaten von drei Kontinenten beteiligt. Er betont die herausragende Bedeutung Le Corbusiers für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Das Werk sei Zeugnis der Globalisierung der Moderne, hieß es.

Für die Unesco-Liste sind auch die antike Stätte von Philippi in Griechenland, die Neandertaler-Höhlen von Gibraltar und die spanischen Megalithgräber „Dólmenes de Antequera“ nominiert. Erstmals schlagen auch der Inselstaat Antigua und Barbuda und die Föderierten Staaten von Mikronesien Stätten für die Welterbeliste vor. Nominiert sind die Marinewerft „Nelson’s Dockyard“ auf Antigua und die archäologische Stätte Nan Madol, ein zeremonielles Zentrum in Ostmikronesien. Diskutiert wird in Istanbul auch über gefährdetes Welterbe, etwa über die Erhaltung der sechs Welterbestätten Syriens. Dazu gehören die vom Bürgerkrieg stark zerstörte Altstadt von Aleppo oder die teilweise zerstörte antike Oasenstadt Palmyra.

Im Le-Corbusier-Antrag ist eine beispielhafte Serie von insgesamt siebzehn Gebäuden in Argentinien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz für die Welterbeliste vorgeschlagen. Durch die Beteiligung Indiens mit Hauptwerken Le Corbusiers in Chandigarh liege dem Welterbezen­trum erstmals ein weltumspannender Antrag vor, hieß es. Le Corbusiers Entwurf für die Stuttgarter Häuser stammt aus dem Jahr 1927. Die Weissenhofsiedlung umfasste ursprünglich 33 Häuser, heute sind noch elf im Original erhalten. 17 Architekten, darunter Le Corbusier und Walter Gropius (1883–1969), waren daran unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe (1886– 1969) beteiligt. Le Corbusier erregte mit seinen „Wohnmaschinen“ die größte Aufmerksamkeit. In dem Haus lässt sich ein Zimmer durch Schiebewände und -betten in mehrere Zimmer verwandeln.

Nach Angaben der Deutschen Unesco-Kommission ist mit der Entscheidung in Istanbul zwischen dem 15. und 17. Juli zu rechnen.