Kultur

Hartmut Haenchen übernimmt „Parsifal“

Der Dirigent wird die Bayreuther Festspiele eröffnen

Einen Tag, nachdem die Bayreuther Festspiele erleichtert verkündeten, dass Dirigent Hartmut Haenchen (73) einspringen wird für Andris Nelsons (37), ist der Ersatzmann schon auf dem Weg zum Grünen Hügel. Er hat nicht viel Zeit. Am Mittwoch musste er gleich zu seiner ersten Probe für den „Parsifal“. Danach gibt es noch eine weitere, und am 25. Juli ist schon Eröffnungspremiere. Er sei sehr froh, Teil des Teams in Bayreuth zu werden, ließ der in Dresden geborene Haenchen über sein Management mitteilten. Der „Parsifal“ bedeute ihm sehr viel und begleite ihn seit Jahren. Er will sich einbringen. Auch wenn er, wie er sagt, mit zwei verbleibenden Orchesterproben „keine Welten bewegen“ könne.

Als Nelsons vergangene Woche überraschend absprang, war das für so manchen Beobachter dennoch nur ein weiteres Symptom dafür, dass die einst so glanzvolle Institution der Bayreuther Festspiele bröckelt. Mit Haenchen geht das Drama für Bayreuth auch künstlerisch gut aus. Er wird als Wagner-Interpret geschätzt, nach eigenen Angaben hat er 34 komplette „Ring“-Zyklen dirigiert. Im abgedeckten Orchestergraben von Bayreuth stand er allerdings noch nie. „Wir gehen fest davon aus, dass sich Hartmut Haenchen gut einfügen wird“, sagt der Sprecher der Festspiele, Peter Emmerich. „Das etwas Nebulöse hier, das muss man hinnehmen.“

Nelsons war nach Unstimmigkeiten abgereist und kam trotz Anstrengungen von Katharina Wagner nicht wieder. Die Stimmung in Bayreuth ist angespannt, und das nicht erst seit Kurzem. Die Festspielleitung hatte 2014 die Zusammenarbeit mit Skandalkünstler Jonathan Meese beendet, der mehrfach verklagt worden war wegen Hitlergruß-Gesten bei Performances. Er hätte eigentlich den „Parsifal“ inszenieren sollen, was jetzt Uwe Eric Laufenberg macht.

Diesmal soll es Zwist gegeben haben zwischen Nelsons und dem musikalischen Leiter, dem Dirigenten Christian Thielemann. Der hatte sich gegen die Gerüchte gewehrt: Er habe ein „sehr gutes“ Verhältnis zu Nelsons, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Ich bin mit ihm fast befreundet.“ Insider dagegen erzählten, Thielemann habe sich zu sehr eingemischt in die Arbeit von Nelsons, öffentlich sagen wollten sie das aber nicht. Bayreuth-Sprecher Emmerich hatte den Medien gegenüber lieber darüber spekuliert, ob die verstärkten Sicherheitsvorkehrungen rund um das Festspielhaus wegen latenter Terrorgefahr die Künstlerseele Nelsons zu sehr gestört haben könnten.

Hartmut Haenchen, aufgewachsen als Kreuzchor-Sänger, war Berlin über Jahrzehnte hinweg als Künstlerischer Leiter des Kammerorchesters Carl Philipp Emanuel Bach verbunden.