Film

Wie ein Irrer den Dreh von „Herr Lehmann“ verhindern wollte

Leander Haußmann erzählt im Zoo Palast von den Dreharbeiten des Kultfilms. Und warum Buchautor Sven Regener wegen ihm im Büro heulte.

Regisseur Leander Haußmann mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast

Regisseur Leander Haußmann mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Zoo Palast

Foto: Jörg Krauthöfer

Es ist immer wieder schön, wenn Regisseure ältere Filme präsentieren und sich dabei Anekdoten entreißen lassen, die sie beim Filmstart nie preisgegeben hätten. So wie am Dienstagabend Leander Haußmann im Zoo Palast. Dort zeigt die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Kino an jedem ersten Dienstag im Monat einen genuinen Berlin-Film. Diesmal ist „Herr Lehmann“ an der Reihe, die Verfilmung von Sven Regeners Erfolgsroman. Der Andrang ist so groß, dass die Vorführung in einen größeren Saal verlegt werden muss. Und da legt der Regisseur los.

Obschon er und Regener sich kannten und Haußmann eine fulminante Buchkritik im „Spiegel“ veröffentlichte, war Regener nicht ganz glücklich mit dem, was Haußmann daraus machte. Zwischendurch soll es, verrät Haußmann, zu einer regelrechten Palastrevolution gekommen sein, so dass er für eine Weile als Regisseur gestorben war. Regener soll heulend im Büro gesessen haben. Bis Haußmann ihm in allen Punkten recht gab – um es am Dreh wieder an die Situation anzupassen.

Und auch wenn der filmisch damals völlig unbedarfte Christian Ulmen in der Titelrolle ein echter Coup war, würde Regener noch heute mit der Besetzung hadern. Haußmann ist ein wenig stolz darauf, dass er Ulmen mit entdeckt hat. Auch wenn er süffisant anführt, dass der seither immer dasselbe mache. Karriere, das heiße doch auch Veränderung.

Fast noch schöner aber ist die Anekdote von einer Drehnacht draußen im Kreuzberger Kiez, die um ein Haar von einem Taxifahrer verhindert worden wäre. Der hatte Tagesdienst und wollte nachts offensichtlich schlafen. Als dann die Filmscheinwerfer angingen, rastete der auf dem Balkon aus und schmiss mit Weckgläsern voller Nägel auf die Scheinwerfer.

Ein Dreh ist nie ohne Risiko

Die Oberbeleuchter gingen in Deckung, nur ein mutiger Praktikant rettete die Szene. Erst kam die Polizei, die aber bald aufgab, dann das SEK, das den Mann ins Urbankrankenhaus einlieferte – in die psychiatrische Abteilung. Auch das war nicht ohne Gefahr – schließlich gab es später noch einen langen Dreh just in diesem Krankenhaus. Man sieht: Drehen in Berlin ist nicht ohne Risiko. Aber auch immer eine Geschichte wert.

Die nächste „Hauptrolle Berlin“ findet am 2. August statt. Dann wird Martina Gedeck das Oscar-gekrönte Stasidrama „Das Leben der anderen“ vorstellen.