Kultur

Castros Kuba: Jugendjahre einer Revolution

Revolutionär in schwarzen Socken: Den Zigarrenstummel in der Hand, hängt Fidel Castro lässig im Schaukelstuhl. Drei Meter weiter sitzt seine enge Vertraute Celia Sánchez in ihre Notizen versunken auf einem Sofa. Alltag auf der Isla de Pinos vor der Südwestküste Kubas 1965. Aufgenommen hat die Szene der amerikanische Fotojournalist Lee Lockwood (1932–2010), der dem kubanischen Revolutionsführer vor einem halben Jahrhundert näher kam als jeder andere westliche Reporter. Er war dabei, als Castros Kämpfer 1959 in Havanna einzogen, kehrte dann mehrfach auf die Insel zurück und konnte 1965 ein siebentägiges Interview mit dem „Máximo líder“ führen. 1967 publizierte er dazu ein Buch, das nun mit mehr als 200 bisher unveröffentlichten Fotos neu vorliegt.

Der prächtige Bildband führt in die Jugendjahre der kubanischen Revolution. Lockwood war damals losgezogen, seinen Landsleuten in den USA mitten im Kalten Krieg ein realistisches Bild von der sozialistischen Karibikinsel zu vermitteln. Anscheinend fasste der kubanische Regierungschef schnell Vertrauen zu dem US-Amerikaner, denn dieser durfte ihn auf seinen Touren quer durch die Insel begleiten. Lockwood hat ihn abgelichtet, wie er mit Bauern über die Rente diskutiert und wie ihm eine alte Frau den Bart krault. Auf anderen Bildern sieht man Castro am Steuer einer Motorjacht, beim Pingpong-Spiel, oder bei einem dreitägigen Dominomarathon.

Lockwood illustriert den kubanischen Alltag der 60er-Jahre in Stadt und Land und zeigt die jubelnden Massen nach dem Sieg der Revolutionäre 1959. Er darf aber auch mit politischen Gefangenen sprechen, von denen es damals etwa 20.000 auf Kuba gab. „Ich war der erste Journalist überhaupt, der die Gefängnisse und Rehabilitationszentren besuchen, fotografieren und mit den Gefangenen sprechen durfte“, schreibt er.

Lockwood hat die Fertigstellung des Bandes nicht mehr erlebt. Fidel Castro hat schon 2006 die Macht an seinen Bruder Raúl abgegeben, der einen Kurs vorsichtiger Wirtschaftsreformen fährt. Am Machtmonopol der Kommunisten lässt aber auch der jüngere Castro nicht rütteln, Opposition und freie Presse bleiben verboten. Schon Lockwood warnte, wie Zensur als staatliches Instrument sich verselbstständigen könne. Man fragt sich, warum sein kluges Buch nicht eher auf Deutsch erschien.