Kultur

Roboter, Raumanzug und Alienlabor

Die Ausstellung „Things To Come“ bietet Einblicke in die Geschichte der Zukunft

Das Thema liegt buchstäblich in der Luft. Weltraum-Kultserien wie „Star Trek“ und „Raumpatrouille“ werden 50, seit Jahren boomt das Blockbusterkino mit Spektakeln über Angriffe von Außerirdischen, fremde Galaxien und die Revolte der Roboter. Höchste Zeit für die Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz dem Science Fiction Genre ihre bislang umfangreichste und aufwendigste Ausstellung zu widmen.

„Things To Come“ heißt die Schau nach dem britischen Filmklassiker von 1936, die gestern Abend von Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnet wurde. Und die hervorragend kuratierten Räume über drei Etagen hinweg haben es wahrlich in sich. Unterteilt in die Bereiche „Das Weltall“, „Die Zukunft der Menschen“ und „Das Fremde“ werden thematisch nicht nur die drei Hauptaspekte des Genres abgedeckt, sondern exemplarisch immer wieder auch auf ihr Verhältnis zur Realität abgeklopft. Was ist an Science Fiction Wissenschaft, was ist Fiktion?

Dazu sammelten die Kuratoren weltweit vor allem Modelle, Kostüme und Entwürfe, die so bislang nie zusammen zu sehen waren. Spektakulär sind aber nicht nur die präsentierten Objekte, sondern auch die Architektur der Ausstellung, die dem Thema eine je eigene Lebenswelt bietet. So ist der Bereich über gesellschaftliche Zukunftsvisionen und deren Machtkämpfe in ein düsteres Getto der unterdrückten Massen und eine strahlend weiße „Stadt der Reichen“ unterteilt, mit passenden Filmausschnitten und Requisiten bestückt. Dazwischen thronen auf der Straße der Zukunft drei Roboter in einer riesigen Metallkonstruktion. Zwei sind Modelle aus Filmen, der mittlere ist echt. Und „Myon“ – entwickelt von der Beuth Hochschule für Technik in Wedding, im vergangenen Jahr bereits Star der Operettenproduktion „My Square Lady“ – registriert und analysiert Tag für Tag die Museumsbesucher. Da lässt sich das Überwachungsszenario der Zukunft am eigenen Leib erfahren. Ähnlich unter die Haut geht das Alienlabor, in dem sich der Besucher auf einen Untersuchungstisch legen und auf einem über ihm schwebenden Bildschirm beim Sezieren von Außerirdischen zuschauen kann.

Auch das futuristische DEFA-Kino der 60er- und 70er-Jahre kommt nicht zu kurz, mit Ausschnitten und Entwürfen aus Klassikern wie „Der schweigende Stern“ und „Eolomea“. Wie sehr das Genre seit je auf Überspitzung setzte, lässt sich in einem Glasschrank sehen, in dem neben zwei martialischen Raumfahrerkostümen aus Hollywoodfilmen auch ein Anzug aus der russischen Raumfahrt steht. Er sieht gegen seine fiktionalen Kollegen mickrig aus.

So bietet die Ausstellung überraschende Einblicke und Zusammenhänge. Am Ende steht man in einem dunklen, verspiegelten Raum, auf der Leinwand laufen Szenen aus Alienfilmen. Plötzlich ist gar nicht mehr so klar: Wer bin ich und was ist das Fremde?

Deutsche Kinemathek, Potsdamer Str. 2, Di– So 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr. Bis 23. April 2017