Nachruf

Bud Spencer - Die Faust Gottes ist gestorben

Sprüche und Prügel: Der große Komödiant Bud Spencer ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer,

Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer,

Foto: Tommaso Bonaventura/contrasto/laif

Als Bud Spencer 1967 geboren wurde, stand eine Flasche Bier vor ihm. Carlo Pedersoli, der in diesem Moment Bud Spencer wurde, war damals 38 Jahre alt und saß mit dem Regisseur Giuseppe Colizzi zusammen. Damals seien eben englische Filmpseudonyme in Mode gewesen, erzählte er dann in seinem ruhigen und bassigen Neapolitanisch, und seine Lieblingsbiermarke sei Budweiser und sein Lieblingsschauspieler Spencer Tracey gewesen. So kam Bud Spencer in die Welt – und mit ihm das neben Adriano Celentano erfolgreichste Exportprodukt italienischen Humors.

In Deutschland fand er ein begeistertes Publikum

Gerade in Deutschland fanden die ungehobelten Prügelfilme, in denen er an der Seite seines Partners Terence Hill regelmäßig wiederkehrte, um Saloons und Finsterlinge kurz und klein zu schlagen, ein begeistertes Publikum. Sie hießen „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ (1970), „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1971) oder „Das Krokodil und sein Nilpferd“ (1979) und verließen sich allesamt auf die Kombination parodistischer Schlägereien – in denen niemals Blut floss – mit flapsigen Sprüchen der Güteklasse „Das macht nen schlanken Fuß“ oder „Das gibt ordentlich Tinte auf den Füller“.

Die Parallelen zur „Asterix“-Comicreihe waren nie zu übersehen: Ein ungleiches Männerpärchen im Mittelpunkt, schlank und gewitzt der eine, der andere gutmütig und stark, zusammen unschlagbar und niemals um einen dummen Spruch verlegen. Wer ihnen krumm kam, ob Römer oder Westernschurke, der kriegte sauber auf die Mütze. Die deutschen Synchronstudios mischten ihren Ehrgeiz zur sprachlichen Überdrehung dazu und machten aus Komödien Klamotten.

Bauchschmerzen vor Lachen

Wer in den 70er- oder 80er-Jahren Kind gewesen ist, der wird sich vielleicht an verregnete Sonntagvormittage erinnern, als im Fernsehen die x-te Wiederholung solcher Filme lief, man auf dem Wohnzimmerteppich saß, eine Limo trank und irgendwann Bauchschmerzen bekam vor Lachen über den geballten Schwachsinn, den man da sah – und der heute wohl vor allem deshalb so staubig wirkt, weil er Grenzen sprengte, die es schon lange nicht mehr gibt.

Carlo Pedersoli, geboren 1929 in Neapel, war auf verschlungenen Wegen zu dem ruhigen Bären geworden, als den man ihn nationenübergreifend liebte. Auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem Jahr 1950 sehen wir ihn als athletischen Schwimmer ohne ein Gramm Fett am Körper, das Gesicht glatt rasiert. Die 100 Meter im Freistil hatte er in diesem Jahr als erster Italiener überhaupt in unter einer Minute absolviert und damit den Meistertitel errungen. Pedersoli war Olympionike und schaffte es 1952 in Helsinki auf den fünften Platz.

Ein weitgereister Familienmensch

Zuvor hatte er eine Art Vagabundenleben geführt, sich allenthalben ausprobiert. Ein Jurastudium in Rom brach er ab, war dann Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro, Bibliothekar in Buenos Aires und Sekretär an der italienischen Botschaft in Uruguay. Als Pedersoli seine Schwimmkarriere 1957 beendete, war er bereits ein weltgewandter, weit gereister Mann – was er aber, bescheiden wie er war, niemanden jemals hochmütig spüren ließ.

In seinen Lebensgewohnheiten blieb er den Traditionen seiner Zeit und seiner Heimatstadt verhaftet, und wenn in Nachrufen nun leicht verwundert betont wird, er sei 50 Jahre mit derselben Frau verheiratet gewesen, dann spiegelt sich darin nicht nur ein treuer Charakterzug des Verstorbenen – sondern auch ein Wandel dessen, was wir für selbstverständlich halten.

Er liebte seinen Sohn Giuseppe, seine Töchter Christiana und Diamante und seine Frau Maria, von der er sich die neapolitanischen „spaghetti al pomodoro“ kochen ließ, die er dann gern mit Freunden in großen Mengen verzehrte – denn er hatte zwar das Schwimmen aufgegeben, nie aber die Essgewohnheiten des Athleten und damit zu jener Körperform gefunden, die zu seinem Markenzeichen wurde.

Zwei alte Herren vor einem Teller Pasta

Immer wenn sein Freund Terence Hill alias Mario Girotti in Italien war, schaute er bei den Pedersolis auf einen Teller Nudeln vorbei, auch in den späten Jahren, als sein Gastgeber schon gesundheitlich angeschlagen und auf einen Gehstock angewiesen war.

Man sieht sie dort immer noch beim Wein sitzen, die zwei alten Herren, und man hört sie reden über das Leben und den Slapstick und darüber, dass beides auch immer irgendwie dasselbe ist – und man möchte Bud Spencer jenes Wort zurufen, das nach Auskunft seines Sohnes sein letztes war: Grazie.