Kultur

Verletzende Plauderei unter Freundinnen

Gelungene Uraufführung: Jakob Noltes „Gespräch wegen der Kürbisse“ in den DT-Kammerspielen

Die zwei Stühle und der kleine Tisch fallen zunächst gar nicht auf, denn auf der Bühne steht dieses Ding. Groß und blau. Es ist ein alter Zeiss-Sternenprojektor. Im baden-württembergischen Laupheim holte er 22 Jahre im Planetarium die Sterne vom Himmel, projizierte das Universum nach Oberschwaben. Dann wurde er ausgemustert und zum Dekorationsobjekt in der Kundenhalle der Kreissparkasse degradiert.

Jetzt steht er auf der Drehbühne der Kammerspiele im Deutschen Theater, das Publikum sitzt außen herum. Das ist natürlich eine großartige Requisite für Jakob Noltes Stück „Gespräch wegen der Kürbisse“, denn auch hier verdichtet sich das große Ganze im Kleinen, in diesem Fall auf einem Kaffeehaustisch. Zur Langen Nacht der Autoren, dem Abschluss der diesjährigen Autorentheatertage, inszenierte Tom Kühnel die Uraufführung.

Zwei Freundinnen treffen sich darin auf einen gemeinsamen Kaffee, man spricht über den letzten Urlaub, das Rauschen der Wellen und in den Ästen der Bäume hängende ausgehöhlte Kürbisse mit Klöppeln drin, die im Wind wie Glocken klingen. Gut, das mit den glockengleichen Kürbissen sei gelogen, gibt Anna (Maren Eggert) zu. Sind ja nur Kürbisse. Für ihre Freundin Elisabeth (Natali Seelig) dagegen sind sie Grund genug, fortan fast alles, was Anna sagt, infrage zu stellen, wenn sie sich schon bei den Kürbissen die Wahrheit zurechtbiegt, dann stimmt das womöglich gar nicht, dass Annas Vater sich in China vom Hochhaus gestürzt hat, womöglich hat Anna gar nachgeholfen? Die wiederum unterstellt Elisabeth, dass die Kanone, an der die Wissenschaftlerin forscht, nichts mit Müllentsorgung und Weltrettung zu tun hat, sondern ein fieses Kriegsgerät sei. Sie streiten über Tote im Mittelmeer und den Mossad, aber nicht, weil sie das politisch irgendwie interessiert, sie nutzen die Weltpolitik als Geschoss, um die andere möglichst persönlich anzugreifen und möglichst tief zu verletzen.

Fast die ganze Zeit sitzen sie dabei auf ihren Stühlen, kreisen auf der Drehbühne um sich selbst. Mitsamt des Zeiss-Projektors, der aus seiner rotierenden Projektionshantel heraus immer wieder Discokugelilluminationen in den dann verdunkelten Raum streut. Was ihr Gespräch wohl in metaphysische Sphären heben oder das Verschwimmen von Wahrheit und Fiktion herausstellen soll. In Wirklichkeit leben die beiden Freundinnen inzwischen einfach nur auf zwei komplett unterschiedlichen Planeten. Das ist alles.

Der Text mag ein sprachlich gut beobachtetes Konversationsstück sein, besondere Tiefe hat er nicht. Und Tom Kühnel gelingt kein Zugang, der über die bloße Plauderei zweier Frauen hinausweist. Maren Eggert findet den realistischeren Konversationston, pariert die Sticheleien sanfter, zurückgenommener. Natali Seeligs Elisabeth ist dagegen zwar herber, kühler, gleichzeitig aber auch ausladender in den Gesten, fast ausgestellt ist ihr Spiel. Zwei normalerweise große Schauspielerinnen, die hier nicht wirklich loslegen können.

Kammerspiele des Deutschen Theaters, Schumannstr. 13a, Mitte. Tel.: 28441225
Termine: 30.6. und 5.7.