Kultur

Das Geheimnis der schwarzen Spielzeugkatze

Nadja Schwertfeger hat ein ungewöhnliches Hobby: Die pensionierte Lehrerin sammelt Werke vergessener Schriftsteller. Eine zufällig entdeckte Erzählung über das Ende des Zweiten Weltkriegs in Schwaben weckt ihr besonderes Interesse. Die kurze Erzählung beschreibt die Ereignisse eines Abends in einem kleinen Dorf, in dem ungewöhnliche Dinge geschehen. Ein Detail sticht für sie dabei besonders heraus: eine aus schwarzem Stoff handgenähte Spielzeugkatze. Genauso eine Katze besitzt Nadja auch. Es war das Einzige, das ihre Mutter ihr mitgab, als sie sie zur Adoption freigab. Finden sich in dieser Geschichte Hinweise auf ihre eigene Herkunft?

Mit Nadjas Versuch, ihrer Vergangenheit näher zu kommen, beginnt der neue Roman „Nadjas Katze“ von Krimipreisträger Ulrich Ritzel. Auch in diesem Buch geht es darum, die Wahrheit zu ermitteln, aber das Ziel ist nicht, ein Verbrechen aufzuklären. Vielmehr hofft die Hauptfigur auf Hinweise darauf, wer sie eigentlich ist. Nadja fährt in das Dorf, in dem die Erzählung spielt, und versucht, etwas über Verfasser und Hintergründe herauszufinden. Große Fortschritte macht sie nicht, bis sie den Tipp bekommt, sich an Hans Berndorf zu wenden. Der stammt nicht nur aus demselben Dorf, er ist auch von Beruf Ermittler. Leser von Ulrich Ritzel wissen, dass Berndorf schon in früheren Romanen komplexe Fälle gelöst hat.

Der ehemalige Kriminalkommissar, jetzt als Privatdetektiv tätig, übernimmt den Fall, nachdem er die Geschichte gelesen hat. Er entwickelt ein persönliches Interesse an Nadjas Anliegen, denn er erkennt in der Erzählung Bezüge zu seinem eigenen Leben. Er weiß, wie er ehemalige Schulfreunde und Nachbarn befragen muss, um Antworten zu bekommen, die ihn weiterbringen. Nach und nach tragen die beiden zahlreiche Details zusammen, aus denen sie die Ereignisse im Dorf gegen Ende des Krieges rekonstruieren können, die sich in leicht veränderter Form in der Erzählung wiederfinden. Was sie finden, ist alles andere als einfach. Etwas pathetisch bezeichnet es Berndorf als „den Wald der Erinnerungen. Da darf man keinen Schritt zur Seite tun. Und das Gebüsch am Wegrand nicht zur Seite schieben. Nicht in diesem Land. Überall liegen noch Skelette herum.“

Ritzel erzählt die Geschichte über eine Suche nach der Vergangenheit mit viel Gespür für Stimmungen und Nuancen. Auch wenn Berndorf im Zuge seiner Nachforschungen ein Verbrechen entdeckt und löst, ist „Nadjas Katze“ kein Kriminalroman, wie man ihn von Ulrich Ritzel erwarten mag. Das Buch lebt von der Spannung, was alles nach 70 Jahren noch ans Licht kommt, und was das für die Menschen bedeutet.