Kultur

Spannende Ferien: Verbrechen und andere Verwirrungen

Zwei Bände für den Sommerurlaub versammeln Geschichten aus Südfrankreich und Italien – von Patricia Highsmith bis Donna Leon

Es geschieht Unglaubliches zwischen Côte d’Azur und Ischia, zwischen Korsika und Sizilien, zwischen der Provence und der Toskana. Nicht nur Schönes. Gefahren lauern immer und überall – auch im Urlaub. Zur Freude aller Leseratten allerdings nur zwischen den Buchdeckeln zweier neuer Bände mit dem vielversprechenden Titel „Gefährliche Ferien“.

Insgesamt 24 Geschichten aus Südfrankreich und Italien sorgen für Spaß und Spannung, aufgeschrieben von namhaften Autoren aus aller Welt – von Patricia Highsmith und Donna Leon über Alberto Moravia bis hin zu F. Scott Fitzgerald, George Simenon und Paulo Coelho. Manche davon exklusiv für diese Bücher verfasst.

Eine dieser Exklusivgeschichten, die auch titelgebend ist, stammt vom Erfinder der „Bruno“-Bände, Martin Walker. Sein Chef de Police sorgt dafür, dass eine Gruppe von Urlaubern im Périgord schöne statt „Gefährliche Ferien“ erlebt, obwohl sie um Haaresbreite Opfer eines Anschlags auf ihre Fremdenführerin geworden wäre.

Von der Provence bis Sizilien – das Böse lauert überall

Marguerite Duras berichtet von einem jungen Mädchen, dem „Der Zug von Bordeaux“ ein erotisches Abenteuer beschert – auch das ist nicht ganz ungefährlich. Bernhard Schlinks Gedanken über Wahrheit und Lügen sind es auch nicht: Ein Paar auf Frankreich-Trip droht an seinem jeweiligen Verständnis von Treue zu zerbrechen.

Von Gefahren ganz anderer Art berichtet Paulo Coelho in „Loni“: Es ist vor allem die Bedrohung des Krieges. Wer Coelhos mystische Gedankenspiele kennt, wird sich aber auch um den seelischen Zustand seiner Protagonisten sorgen. Zumeist jedoch geht es handfest kriminell in den Geschichten zu, wie in Patricia Highsmiths Erzählung „Das große Kartenhaus“. Es spielt in der Provence, einer Region, die die Altmeisterin des Psychothrillers aus eigenem Erleben bestens kennt. Und der Vater des klassischen französischen Kriminalromans George Simenon lässt seinen Kommissar Maigret an der Côte d’Azur auf Verbrecherjagd gehen, denn „Der zweifelhafte Monsieur Owen“ ist aus seinem Hotelzimmer in Cannes verschwunden, in dem stattdessen ein toter Fremder gefunden wird. Auch den amerikanischen Autor F. Scott Fitzgerald hat es zeitweise an die „Blaue Küste“ verschlagen, wo seine – eher romantische als gefährliche – Erzählung „Liebe in der Nacht“ spielt.

Und der Romancier Guy de Maupassant berichtet über eine Vendetta auf Korsika, was prompt an Italien denken lässt. Genau hier sind die Geschichten des zweiten Bandes „Gefährliche Ferien“ angesiedelt. Sie führen vom Piemont, von Südtirol und der Emilia Romagna über Mailand, Venedig, Florenz und Rom nach Apulien, Kalabrien und Sizilien. Und auch die Insel Ischia im Golf von Neapel ist Schauplatz einer Episode von Erri De Luca.

Klar, dass die Amerikanerin Donna Leon ihre Wahlheimat Venedig zum Handlungsort erkoren hat. Ihre gefährlich klingenden „Tretminen“ entpuppen sich allerdings als Hundehäufchen. Weniger harmlos ist wiederum Patricia Highsmiths grandiose Geschichte aus der Lagunenstadt, „Die tapferste Ratte von Venedig“. Eigens für dieses Bändchen ersann Andrea De Carlo seine Geschichte „Das tragische Ende von Baron Canistraterra“. Ganz exklusiv verfolgt Christoph Poschenrieder seinen Helden Wilhelm mit „Farfalle“, und Luigi Malerba serviert mafiös kurz „Das kalabresische Huhn“. Zum Dessert offeriert Liaty Pisani „Zitroneneis“.

Was alle Autoren in diesem Band wunderbar verstehen, ist die Symbiose von Gut und Böse, Schön und Hässlich im Land des Dolce Vita. So sind Kurt Lanthalers „Maderneid“, Giorgio Falettis „Auf fremde Rechnung“, Carlo Lucarellis „Eile mit Weile“ oder Marco Vichis „Ich bin wieder da“ ebenso wie Giorgio Scerbanencos „Das geschenkte Alibi“, Giovannino Guareschis „Die Brandstiftung“ und nicht zuletzt Alberto Moravias „Der falsche Zehntausender“ beste kurzweilige Unterhaltung – nicht nur für den Urlaub.