Wiedereröffnung

Die Rückkehr der Künstler

Tag der offenen Tür: Nach knapp drei Jahren Sanierung ist der Erweiterungsbau des Berggruen-Museums in Charlottenburg ab Sonntag wieder geöffnet.

Museum Berggruen: Der Erweiterungsbau (l.) ist fertig saniert. Das Dach hatte Schimmel

Museum Berggruen: Der Erweiterungsbau (l.) ist fertig saniert. Das Dach hatte Schimmel

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Paul Klee gehört neben Pablo Picasso, ganz klar, zu den Hausgöttern von Heinz Berggruen. Mit der „Versiegelten Dame“, dem „Blauen Berg“ und dem „Schwarzmagier“ breitet sich das schillernde Universum dieses Künstlers nun wieder in ganzer Frische in gleich acht Räumen im Museum Berggruen aus. Auch der Publikumsliebling, Giacomettis fadendünne „Streunende Katze“, zieht wieder seine Runden auf einem sehr hohen Wandsockel.

Die Nachricht klingt gut: Der Erweiterungsbau des Berggruen-Museums ist ab Sonntag mit einem Tag der offenen Tür wieder geöffnet, und Klee, Matisse und Co. bekommen exakt jene intimen Auftritte wie vor der Schließung im Jahr 2013. Der gläserne, moderne Gang führt nun wieder vom Berggruen-Museum ins neue Ausstellungshaus, von hier kann man gut in den Skulpturengarten hinausschauen, auf die knautschigen Großskulpturen von Thomas Schütte, die einen starken Kontrast bilden zu den flüchtigen Giacometti-Figuren. Auf der anderen Seite fällt der Blick auf das Schloss. Für den „König“ der Berggruen-Sammlung, Picasso, bleibt das Haupthaus reserviert.

Natürlich hofft man auf einen neuen Besucherschwung

Die Freude über die Erweiterung im ehemaligen Kommandantenhaus mit dem Übergang in das Berggruen-Museum währte nicht lange. Nach sieben Monaten musste das neue Haus im Oktober 2013 geschlossen werden. Offen blieb der Stülerbau, das „Mutterhaus“. Hier lebte Heinz Berggruen bis zu seinem Tod in einer Wohnung im Obergeschoss. Und wer Glück hatte, konnte ihn damals unten an der Treppe erwischen, und dann erzählte er illuster über „seine“ Künstler. Von dieser privaten Atmosphäre lebt das Haus.

Mit zwei kleinen Wasserflecken in der Decke fing es damals an, daraus wurde ein massiver Feuchteschaden im Dach. Von einem Jahr Schließzeit war die Rede. Zweieinhalb Jahren sind daraus geworden, schließlich musste das komplette Dach ersetzt werden, weil es durch Schimmelbefall nicht mehr zu retten war. Zum Schaden kam es, weil die für die Dachkonstruktion vorgesehene Dampfsperre nicht dicht war. Offenbar hat die Bauüberwachung geschlampt, die vom ausführenden Architektenbüro eingesetzt war. 1,6 Millionen Euro kostete die Sanierung, der Bund hat diese Summe vorgeschossen, bis die Versicherung zahlt. Während der Schließung des Erweiterungsbaus zog Paul Klee temporär um – in die benachbarte Sammlung Scharf-Gerstenberg.

Das Schatzkästchen der Klassischen Moderne ist wieder vollständig

Doch jetzt sind alle Beteiligten bei den Staatlichen Museen erst einmal glücklich, dass das Schatzkästchen der Klassischen Moderne mit der eleganten, lichten Hängung der Werke wieder volständig ist. 134.000 Besucher kamen in den Monaten der Neueröffnung bis zur Teilschließung 2013. Danach besuchten nur noch rund 80.000 das Haus am Schloss Charlottenburg.

Natürlich hofft man nun auf einen Besucherschwung, den der Standort Charlottenburg dringend benötigt. Die großen Touristenströme bewegen sich bekanntlich in Richtung Museumsinsel. Für Liebhaber der Klassischen Moderne ist das Berggruen-Haus nach wie vor ein Anlaufpunkt, zumal die Neue Nationalgalerie derzeit ja zwecks Generalsanierung mehrere Jahre geschlossen ist. Wie sich das Haus entwickelt, wenn einmal das Museum der Moderne am Kulturforum steht, ist die große Frage.

Schön ist es, sich wieder einmal die poppigen Scherenschnitte von Henri Matisse anzuschauen, sie haben in den internationalen Museen gerade Hochkonjunktur. Ein bisschen mehr Licht könnten sie gut vertragen, dann würden sie mehr „atmen“ können. Doch das Kabinett ist verdunkelt, das fragile Material muss geschützt werden.

Die Sammlung Berggruen umfasst heute 165 Werke plus 70 Leihgaben

Die Sammlung Berggruen umfasst heute 165 Werke, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Milleniumsjahr von Heinz Berggruen erwarb, plus 70 Leihgaben der Berggruens, über deren Vertragsmodalitäten allerdings Stillschweigen herrscht, wie meistens, wenn es sich um Privatsammler handelt. Die letzten drei Jahre hat man eher wenig von der Familie gehört. Wie das bei Privatsammlungen so ist, spiegelt der Bestand Berggruens Vorliebe wider, so wie er von den 50er-Jahren bis ins Jahr 2000 gesammelt hat.

Die Wiedereröffnung nutzt die neue Leiterin Felicia Rappe nun geschickt, um das Haus auf die zeitgenösssische Kunst einzustimmen. Moderne mit Gegenwart auffrischen – ein Trend, den es momentan in einigen Museen gibt. Die Kuratoren erhoffen sich mit diesem Dialog mehr Attraktion für ein jüngeres Publikum. Und so wird es ziemlich laut und heiß im modernen „Studio Cézanne“ der Komponistin und Klangkünstlerin Brigitte Witzenhause (Jahrgang 1979). „Schwarz. Weiß“, singt ein Rapper auf Französisch. „Keine Farbe.“ Es sind Zitate Cézannes, des Vaters der Moderne. Er philosophiert über seine Malerei. Plötzlich hören wir Glockengeläut, dazwischen ein Zirpen, es müssen viele Grillen sein, so wie man sie nur im Süden hört.

Das Haus wird für die Gegenwartskunst geöffnet

Auf einem großen Video sehen wir Blätter im Wind, ein leichtes, schönes Rauschen dazu. Für diese gesampelte Klanginstallation hat die Künstlerin im Atelier von Cézanne im französischen Aix-en-Provence recherchiert, hat dort Geräusche aufgenommen, das Knarren des alten Fußbodens und der Schubladen der Kommode, die Vögel draußen vor den Fenstern. „Ich möchte Impulse geben für Cézannes Bilder“, sagt sie. Der Besucher soll sich einfach einfühlen in das Leben und die Umgebung des französischen Ausnahmekünstlers. Und mit diesem Blick vielleicht einmal ganz anders, losgelöst vom Akademischen, auf dessen Werke schauen.

Witzenhauses ungewöhnliche, sehr lebendige Hommage läuft vier Monate – in jedem Monat wird ein neuer Klangraum entstehen. Ab 19. November soll es noch bunter werden – US-Malerstar George Condo rüstet sich für seine „Confrontation“ mit Picasso, Matisse und Klee. Ganz klar, das wird ein gewaltiger Bilderkampf werden. Condo, das wissen wir, spielt allzu gerne mit der Moderne.

Museum Berggruen, Schloßstr. 1. Tag der offenen Tür, Sonntag, 11–18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es werden kostenfreie Führungen und Workshops angeboten.